
Das begeisternde Festkonzert am 3. Juni im ausverkauften Großen Saal des Gewandhauses gestalteten Orchester, Jugendorchester und Ensemble des musikalischen Netzwerks, dazu als Gäste die Banda Comunale aus Dresden, der migrantische ChorAlle, der Kinder- und Jugendchor der Kirchgemeinde im Leipziger Süden und der Leipziger Synagogalchor.
Zu erleben war ein wundervoller Abend voller musikalischer Begegnungen, Vielfalt und gemeinsamer Klangräume mit 170 Mitwirkenden. Solistin war die Sängerin Karolina Trybała, die Leitung des Abends lag in den Händen von Ali Pirabi und Tilmann Löser. Zum Jubiläum gratulierten Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung und Petra Köpping, Sachsens Ministerin für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Im Konzert erklangen transkulturelle Kompositionen mit Einflüssen aus arabischer, persischer, polnischer und jüdischer Musik. Die Werke spiegeln musikalische Vielfalt, transkulturellen Dialog und das Zusammenwirken unterschiedlicher Traditionen in einem gemeinsamen klanglichen Raum wider. Die Veranstaltung fand im Rahmen von „Tacheles – Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026“ statt.
Verschiedenheit als kultureller Reichtum
Die mehr als 30 Mitglieder des Orchesters „Klänge der Hoffnung“ leben im Raum Leipzig. Aufgewachsen sind sie u. a. in Syrien, Mexiko, Kolumbien, Deutschland, Armenien, Venezuela, Argentinien, Italien, Guinea, der Türkei und dem Iran. In der Musik des Orchesters wirken außereuropäische und europäische Instrumente gleichberechtigt und harmonisch zusammen: Oud, Bağlama, Santur, Ukulele und westafrikanische Perkussionsinstrumente neben Violine, Klarinette und Klavier.
Durch eigene Kompositionen, die z. B. Vierteltöne aus arabischen und persischen Musikkulturen oder lateinamerikanische Rhythmen einbeziehen, entstehen überraschende stilistische Verbindungen. Ali Pirabi, der musikalische Leiter des Orchesters, studierte im Iran europäische Musik und liebt Bachs Werke. 2013 musste er aus politischen Gründen fliehen. In der Bachstadt Leipzig fand er eine neue Heimat.
Keimzelle „Musik im Asyl“
Unter den Eindruck der Flüchtlingskrise entstand Anfang 2016 in der Leipziger Stiftung Friedliche Revolution der Wunsch, mit einem eigenen Projekt zur Verbesserung der Situation Geflüchteter beizutragen. Die Forderung von 1989 „Ein offenes Land für freie Menschen“ sollte auch weiterhin gelten. Es wurde beschlossen, ein transkulturelles Projekts mit geflüchteten Musiker*innen zu gründen.
Damals gab es im Raum Leipzig zwar schon Projekte dieser Art, doch ihnen fehlte die Vernetzung. Deshalb beauftragte die Stiftung den Leipziger Musiker und Musikpädagogen Tilmann Löser als Projektleiter mit dem Aufbau eines Netzwerks, das Musiker*innen mit und ohne Fluchterfahrungen in Kontakt und mit Veranstalter*innen und engagierten Bürger*innen zusammenbringt.
Im September 2016 fand im Grassimuseum Leipzig unter dem Titel „Musik im Asyl“ das erste Netzwerk-Konzert statt. Acht Musikgruppen traten vor 250 begeisterten Zuhörer*innen auf. 2017 wurde das Projekt unter dem neuen Namen "Klänge der Hoffnung" weiterentwickelt. Der Austausch vertiefte sich, das Netzwerk wurde erweitert. Im Rahmen der "Interkulturellen Wochen" gab es wieder ein großes Konzert.
Transkulturelle Musikforum als neues Dach
Inzwischen ist das Netzwerk weiter gewachsen, hat Kooperations-Partner hinzugewonnen. Mit den Konzerten in Oschatz, Delitzsch und Torgau konnte 2018 und 2019 der Aktionsradius auf Nordsachsen erweitert werden. 2019 wurde das Netzwerk mit dem Preis "Aktiv für Demokratie und Toleranz" ausgezeichnet. 2021 entstand das Orchester „Klänge der Hoffnung“. Das 2023 gegründete Transkulturelle Musikforum bündelt die gesammelte Expertise unter einem neuen Dach. Erklärtes Ziel ist es, Menschen verschiedenster Herkunft durch die Musik zu verbinden. Seit 2025 gibt es auch ein Jugendorchester „Klänge der Hoffnung“.
Das „Klänge der Hoffnung Orchester“ zeigt, was möglich ist, wenn Menschen einander in Frieden begegnen, zusammen Musik machen, einander zuhören und im Dialog bleiben. Es ist ein Symbol dafür, wie wir in unserer Gesellschaft gut mit unseren Unterschieden umgehen können.
Ich begrüße und unterstütze die Professionalisierung des Projektes durch die Gründung der „Transkulturelles Musikforum gGmbH“. Ich bin fest davon überzeugt, dass hier ein großes Potential besteht, in Leipzig, Sachsen und darüber hinaus persönliche Begegnung durch transkulturelle Musik zu ermöglichen und dadurch Vorurteile abzubauen.
Leipzigs OBM Burkhard Jung
Die nächsten Konzerte des Orchesters "Klänge der Hoffnung":
19.09.26 | 19 Uhr | Nikolaikirche Eilenburg
12.11.26 | 10 Uhr | Alte Börse Leipzig (Schulkonzert)
Konzerte des Jugendensembles „Klänge der Hoffnung“:
25.06.26 | 19 Uhr | Alte Börse Leipzig
26.11.26 | 19 Uhr | Gewandhaus Leipzig, Mendelssohn-Saal