Das Rudolstadt-Festival 2026 – ein Rückblick in Wort und Bild

Die Marktbühne beim Rudolstadt-Festival 2026 (Foto: Wolfgang Leyn)
Die Marktbühne beim Rudolstadt-Festival 2026 (Foto: Wolfgang Leyn)

VON WOLFGANG LEYN

Musikalische Vielfalt auf großen und kleinen Bühnen

Künstlerinnen und Künstler aus rund 40 Ländern gastierten bei Deutschlands größtem Folkfestival. Allein 14 Bands schickte in diesem Jahr die Europäische Rundfunkunion. Aufzeichnungen der Konzerte gibt sie an ihre Mitgliedsstationen weiter. Die Federführung hat der MDR. Schon zum siebenten Mal war die EBU Partnerin des Festivals und wird es 2027 erneut sein.

Dis is Markéta mit der charismatischen Sängerin Martina Kertészová wurde vom Slowakischen Rundfunk in Bratislava nach Rudolstadt delegiert (Foto: Wolfgang Leyn).

Rund 90.000 Menschen verfolgten die Konzerte auf mehr als 20 Bühnen, u. a. im Theater, in der Stadtkirche, auf dem Marktplatz und im Heinepark am Ufer der Saale. Wegen Rekonstruktionsarbeiten fiel diesmal die barocke Heidecksburg aus, die atmosphärisch schönste Festivalspielstätte. Neu hinzugekommene Bühnen im Park und in der Innenstadt ersetzten sie zumindest im Hinblick auf die Platzkapazität.

Neuer Veranstaltungsort war die Lutherkirche. Dort bot das burgenlandkroatische Quartett BasBariTenori einen beeindruckenden Beitrag zum Länderschwerpunkt Österreich (Foto: Wolfgang Leyn)

Das musikalische Spektrum im Festivalprogramm reichte von den jamaikanischen Roots-Reggae-Bands The Congos und Culture bis zur Hamburger Singer-Songwriterin Derya Yıldırım, die auf Türkisch singt, von der legendären britischen Folkband Blowzabella bis zu Electro-Voodoo-Soul aus Togo, von der polnischen Familienkapelle aus Pommern/Pomorze bis zu dem Finnen Antti Paalanen, der sein Akkordeonspiel mit Techno und Kehlkopfgesang kombiniert. Nicht zu vergessen die vielversprechende jungen Geigerin Clare Sands aus Irland oder aber Groove-Folk aus der Ukraine mit der Band Zgarda.

Zgarda aus Kiew – links die Sängerin und Musikethnologin Yulia Vitraniuk (Foto: Wolfgang Leyn)
Zgarda aus Kiew – links die Sängerin und Musikethnologin Yulia Vitraniuk (Foto: Wolfgang Leyn)

Gemeinsam mit den Thüringer Symphonikern musizierte in diesem Jahr der Wiener Handpan-Weltstar Manu Delago. Zu den Markenzeichen des Festivals gehört ein ebenso vielfältiges wie niveauvolles Straßenmusikprogramm. Diesmal traten Solisten und Bands aus Deutschland und Nachbarländern wie Dänemark, Frankreich, Niederlande, Polen, Schweiz oder Tschechien auf, andere kamen von weit her – aus Australien, Brasilien, Iran, Island, Israel, Japan, Kostarika, Marokko und Syrien. Gespielt wurde u. a. Balkan Brass, Irish und Deutsch-Folk, Klezmer, Flamenco, Gipsy Jazz, Bluegrass und Indie-Folk.

Das Duo Ebenbild spielte landschaftlich inspirierte Folkmusik für pontische Lyra und Nyckelharpa (Foto: Wolfgang Leyn)
Das Duo Ebenbild aus Thüringen spielte landschaftlich inspirierte Folkmusik, komponiert für pontische Lyra und Nyckelharpa (Foto: Wolfgang Leyn)

Im Löwensaal, im Tanzzelt und unter freiem Himmel war wie jedes Jahr Gelegenheit zum Tanzen. Am Wochenende stand im Park ein phanthasievolles Kinderfest im Heinepark auf dem Programm. Seit dem allerersten Folkfestival in Rudolstadt im Juli 1991 kann man jedes Jahr am Instrumentenbauzentrum schauen, probieren und kaufen.

Andreas Schlütter aus Zella-Mehlis in Thüringen bot neben Maultrommeln auch Brummtöpfe an (Foto: Wolfgang Leyn)

Traditionell wird während des Festivals der Deutsche Weltmusikpreis RUTH verliehen. In diesem Jahr erhielt ihn die Berliner Liedermacherin Dota für ihre Vertonungen von Gedichten der deutsch-jüdischen Dichterin Mascha Kaléko.

Weltmusikpreis RUTH 2026 für Songschreiberin Dota Kehr

Die nächste Generation der Folkmusik

Nach 2024 und 2025 spielte beim Rudolstadt-Festival zum nunmehr dritten Mal das Jugendfolkorchester. Die 39 Musiker im Alter zwischen 12 und 27 Jahren kamen aus ganz Deutschland. 30 von ihnen waren schon im Vorjahr dabei. Die Neuen erweiterten das Instrumentarium um Drehleier und Nyckelharpa. Im Orchester vertreten waren erstmals gleich drei Dudelsäcke.

Gespielt wurde ein klug zusammengestelltes, gekonnt arrangiertes und mit sichtbarer Freude gespieltes Programm aus Liedern und Tänzen, vor dem Festival einstudiert unter Leitung eines musikalisch wie pädagogisch erfahrenen Teams. Dieses Projekt des PROFOLK-Verbandes wird gefördert von mehreren Stiftungen. Eine kontinuierliche staatliche Finanzierung wie in vielen anderen Ländern Europas wäre dringend an der Zeit.

Mitwirkende des Jugendfolkorchesters 2026, rechts 1. und 2. Reihe Gudrun Walther und Sabrina Palm vom Leitungsteam (Foto: Wolfgng Leyn)
Mitwirkende des Jugendfolkorchesters 2026, rechts 1. und 2. Reihe Gudrun Walther und Sabrina Palm vom Leitungsteam (Foto: Wolfgng Leyn)

Das Jugendfolkorchester im Radio-Porträt | „Open World“ (WDR 3)
Stimmen aus dem Jugendfolkorchester (Folker-Website)

„So klingt Österreich – auch“

Gemäß diesem Motto des Länderschwerpunkts war Vielfalt Trumpf. Vertreten waren u. a. Wienerlied, Austropop, schräger Kammerfolk, ebenso wie Folklore der verschiedenen Regionen zwischen Steiermark und Tirol, von Minderheiten wie den burgenländischen Kroaten. Zum umfangreichen Rahmenprogramm gehörten neben einer wissenschaftlichen Konferenz verschiedene Workshops, in den man zum Beispiel die den verschiedenen Spielarten des Jodelns ausprobieren konnte, das Wiener Dudeln, das Johlen oder das Juzen aus Vorarlberg.

Die Tanzhausgeiger aus Wien spielten Volksmusik aus der einstigen Donaumonarchie, der Wiener Simon Wascher und die Berlinerin Vivien Zeller tanzten dazu einen Wickler (Foto: Wolfgang Leyn).

Das Songposium, ein spezielles Rudolstädter Programmformat, bei dem Experten, Musikanten und Schauspieler unterhaltsam Liedgeschichte präsentieren, war in diesem Jahre dem „lieben Augustin“ gewidmet, einem Dudelsackspieler, welcher – glaubt man der Legende – 1679 während der Pestzeit in Wien versehentlich in eine Siechengrube geraten war, sich aber daraus retten konnte.

Am Griechenbeisl in Wien erinnert ein Relief an den "lieben Augustin" (Foto: Wolfgang Leyn)

Mehr zum Länderschwerpunkt Österreich (MDR-Website)

Mittun war gefragt

Von den vielen verschiedenen Workshops im Festival-Programm seien hier drei herausgegriffen: „How to Folk?“, unter diesem Motto gab ein Quartett junger Folkmusiker aus Flensburg Tipps für Einsteiger in eine Folk-Session. Ralf Gehler aus Schwerin und Vivien Zeller aus Berlin boten Hits aus der DDR-Folkszene zum Mitspielen. Jeder und jede mit einem Instrument, das in den Tonarten D, D, C und A funktioniert, konnte sich beteiligen. Gespielt wurde zum Beispiel auf Geige, Dudelsack, Querflöte, Akkordeon und Blasharmonika. Peggy Luck aus Frankfurt/Oder lud ein zum „Ringen mit der Tradition“, dem Auseinandernehmen und Wiederzusammensetzen der Überlieferung entsprechend heutigen Bedürfnissen.

Peggy Luck: „Mit der Tradition ringen“ | Sound of Connection Podcast

Wie 2025 lud PROFOLK auch diesmal wieder zum gemeinsamen Musizieren und Singen in den Schillergarten (Foto: Wolfgang Leyn)

Das Rudolstadt-Festival 2026 im Radio

Auch in diesem Jahr berichteten und übertrugen MDR, BR, Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur von Deutschlands größtem Folkfestival. MDR KULTUR hält ein umfassendes Angebot an Konzertmitschnitten, Studiosessions und Gesprächen bereit.

Rudolstadt-Festival 2026 – Verpasstes nachhören

Am Ende des Rückblicks noch eine Vorschau:

Das 35. Rudolstadt-Festival findet vom 1. bis zum 4. Juli 2027 statt. Länderschwerpunkt ist dann Südkorea.

Leider gibt es auch 2027 keine Konzertmitschnitte von der Heidecksburg. Das Barockschloss ist bis 2030 die größte Baustelle der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (Foto: Wolfgang Leyn).