Thomas Wittenbecher musizierte schon in einem guten Dutzend Bands. In den 80er Jahren studierte er Klavier und Akkordeon am Konservatorium Halle und gehörte zur Folkband Notentritt. Er musizierte und komponierte für den Kinderzirkus Ach Quatsch und die Versprechbühne, die Theatergruppe des Germanistischen Instituts der Uni Halle. Seit 1985 ist er Berufsmusiker. Er spielte am Neuen Theater in Inszenierungen von Peter Sodann und Christoph Werner. 2010–18 nahm er Unterricht am Konservatorium Halle bei Lutz Stark, der 1996 das Landes-Akkordeon-Ensemble Sachsen-Anhalt gegründet hatte und Gastdirigent des Bundesakkordeonorchesters ist. Zurzeit steht Thomas u. a. mit Salon Pernod, Salon Swing und Musica Italiana auf der Bühne und komponiert außerdem Musik für Stummfilme.

Seit wann spielst Du Akkordeon? Wie kam es dazu?
Ich habe mit fünf Jahren begonnen, Klavier zu spielen. Erst privat und dann auf dem Konservatorium. Zu Familienfesten, einer meiner Onkel hatte eine Kneipe mit Bühne und viele meiner Verwandten spielten verschiedene Instrumente, gab es oft die Möglichkeit für mich, am Akkordeon mitzuspielen. Später, um 1980, kam ich zur Gruppe Notentritt und spielte dort neben Kontrabass, Harmonium und Mandoline auch Akkordeon.
Nach einem kurzen Intermezzo als Bassist fand ich durch Reisen nach Frankreich und dortige Inspirationen Anfang der 90er Jahre wieder zum Akkordeon zurück und gründete das Trio Pernod und später auch noch eine Cajun-Band, die Cajun Propellers. Dieser Band habe ich es zu verdanken, dass ich für den wunderbaren, preisgekrönten Film "Schultze get‘s the Blues" Filmmusik komponieren und auch alle Akkordeon-Parts für den Hauptdarsteller Horst Krause einspielen durfte.
Piano- oder Knopfakkordeon? Diatonisch, chromatisch? Was ist Dein Favorit? Und warum?
Ich spielte immer Pianoakkordeon, verschiedene Modelle von der Firma „Weltmeister“. Im Moment spiele ich ein Scandalli Super VI und ich liebe dieses Instrument.
Was magst Du am Akkordeon? Was womöglich weniger?
Ich liebe am Akkordeon die unglaublich vielen Klangmöglichkeiten. Man hat das Instrument direkt am Körper, auf der linken Seite der Bass, das Schlagen des Herzens, der Rhythmus. In der Mitte der Balg, die Lungen, die Luft zum Atmen und Spielen. Auf der rechten Seite die Pianotastatur, auf der das Leben hinauf- und hinabjagt und spielt, weint, schreit, lacht und liebt.
Das „Schifferklavier“ hat in der Öffentlichkeit ein Image-Problem. Wie gehst Du damit um?
Mittlerweile hat das Akkordeon keine Image-Probleme mehr. Es ist auf den Bühnen dieser Welt nicht mehr wegzudenken und bedient alle Genres und Musikrichtungen.
Welcher Akkordeonist, welche Akkordeonistin hat Dich besonders beeindruckt?
Beeindruckt und inspiriert haben mich Tobias Morgenstern, später dann Juan José Mosalini, Dino Saluzzi, Richard Galliano und Astor Piazzolla.
