Sophia Holler: Das Akkordeon ist ein Orchester

Aufgewachsen in einer musikalischen Familie, gehörte sie an der Musikschule Leipzig zu den besten Schülerinnen. 2024 erhielt sie beim Landeswettbewerb des Deutschen Harmonika Verbandes das Prädikat „hervorragend“. Im Jahr zuvor hatte sie zusammen mit ihrer Schwester Caroline an der Harfe den „Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Nachwuchsförderpreis“ gewonnen. 2024 und 2025 wurde sie für das Jugendfolkorchester ausgewählt, das beim Rudolstadt-Festival auftrat. Schon 2022 musizierte sie dort im Tanzzelt in einer Band, die speziell für das Jubiläum „40 Jahre Leipziger Volkstanzschule“ zusammengestellt worden war. Mit der Bal-Folk-Band FOLKtreffer war sie u.a. beim Folkfest Hohnstein zu erleben, bei Gehupft wie gesprungen in Halle und beim Frühjahrs-FOLKUS in Naunhof. Für Oktober 2026 gibt es eine Einladung zu den Folktagen in Ilmenau.

Sophia Holler (Foto privat)
Sophia Holler (Foto privat)

Seit wann spielst Du Akkordeon? Wie kam es dazu?
Da mein Vater und auch mein Bruder zuhause Akkordeon spielten, habe ich mich als Kind dazu entschieden, bei Ingrida Schwarze an der Musikschule Akkordeonunterricht zu nehmen. Bis dahin habe ich das Knopfakkordeon meines Bruders auch schon benutzt – allerdings als Schreibmaschine zum Spielen :)

Die vielen, vielen Knöpfe und das schön verzierte Gehäuse haben mich fasziniert.

Piano- oder Knopfakkordeon? Diatonisch, chromatisch? Was ist Dein Favorit? Und warum?
Ich spiele Knopfakkordeon. Das Knopfakkordeon – besonders das B-Griff-Knopfakkordeon, auch Bajan genannt – ist hier in Leipzig verbreiteter, aufgrund dessen, dass einige Akkordeonlehrer aus der Sowjetunion kamen, bzw. dort ihre Ausbildung genossen hatten.

Der Knopfgriff gibt einem die Chance, Akkordklänge gebunden zu greifen (z. B. Kompositionen für Orgel). Das ist manchmal beim Tastenakkordeon nicht möglich, weil z.B. hier schon die Oktave eine größere Streckung der Hand erfordert.

Die chromatische Spielweise genieße ich sehr. Allerdings beneide ich manchmal den Effekt des vielen Balgwechsels in der diatonischen Akkordeonmusik.

Was magst Du am Akkordeon? Was womöglich weniger?
"Das Akkordeon ist ein Orchester" – das stimmt. Bezogen auf die Klangfarben der Register und den großen Tonumfang, auch die Spielbarkeit von Melodie und Begleitung/Bass, bietet dieses Instrument schon sehr viele Möglichkeiten. Außerdem ist es kompakt genug, um es mit auf Reisen zunehmen:)

Manchmal stört es mich, dass ich die Klangerzeugung und die Klangfarben relativ wenig beeinflussen kann. Manchmal hätte ich gerne einen Geigenbogen, den ich doch sehr variieren kann: z.B. spannen, drücken, streichen-Varianten.

Das „Schifferklavier“ hat in der Öffentlichkeit ein Image-Problem. Wie gehst Du damit um?
Pffff... ich sage manchmal, dass ich Orgelstücke von Bach spiele, um die Perspektive des Instruments für mein Gegenüber zu erweitern. Gleichaltrige, die selbst viel Musik spielen, berichten allerdings, dass sie das Akkordeon kaum oder wenig auf dem "Radar" haben.

Welcher Akkordeonist, welche Akkordeonistin hat Dich besonders beeindruckt? Wodurch?
Generell sind es die Akkordeonisten, die mich begeistern, bei denen Musikalität und Persönlichkeit des Musikers zusammenkommen und stimmig agieren. Naja, und entsprechendes technisches Können darf auch nicht fehlen:)

Gibt eine besondere Geschichte, die Du mit Deinem Instrument erlebt hast?
Mich beeindruckt schon auch stark, wie unterschiedlich und in wie vielen Ländern, das Akkordeon gespielt wird. Ich konnte schon einige Kontakte knüpfen – quasi über oder durch das Instrument - zu anderen Akkordeonisten.

Konzert des Jugendfolkorchesters beim Rudolstadt-Festival 2024, vierte von links Sophia Holler (Foto: Wolfgang Leyn)
Konzert des Jugendfolkorchesters beim Rudolstadt-Festival 2024, vierte von links Sophia Holler (Foto: Wolfgang Leyn)

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