
Auf Initiative des Landesmusikrates Schleswig-Holstein wird seit 2008 das Instrument des Jahres gekürt. 2024 war es die Tuba. 2025 entschied man sich für das älteste Instrument der Welt, eines, das alle Menschen besitzen: die Stimme. Wir fragen Folkmusiker, was ihnen das Singen bedeutet, mit wem sie es um liebsten tun und wie man es am besten fördern könnte – hier die Antworten von Jessica Jäckel, Vivien Zeller, Henrike Eckardt, Michael Möllers, Wolfgang Rieck, Tim Liebert, Gudrun Walther und Manfred Wagenbreth.
Jessica Jäckel
Jessica gründete 2002 die Berliner Rockband Skin Diary, mit der sie bis 2012 als Sängerin und Songschreiberin zahlreiche Konzerte spielte. Nach zehn lauten Jahren verliebte sie sich in die Waldzither. Dieses Zupfinstrument, das sich in der Wandervogelbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts großer Beliebtheit erfreute, veranlasste Jessica, sich dem traditionellen Liedgut zuzuwenden. Seit 2015 gehört sie zum Folk-Trio Tworna aus Quohren bei Dresden. Gemeinsam mit Caterina Other (Nyckelharpa) und Frieder Zimmermann (Gitarre, Fretless Bass), die beide aus der Klassik kommen, gibt sie dort alten, halbvergessenen Liedern ein neues Gesicht – mit wandelbarer Stimme, Waldzither und gestischem Gestaltungsvermögen. Im Jahre 2021 erhielt Tworna den Preis der deutschen Schallplattenkritik in der Kategorie Folk.

Singen ist für mich…
… Liebe, Selbstliebe, Freude, Lebensenergie, Verbundenheit. Mein Lebensinhalt, meine Kraft, die Essenz des Lebens.
Am liebsten singe ich…
Momentan singe ich gern Schmachtiges und Romantisches, Gefühlvolles, am liebsten auf Deutsch und vorwiegend mit meiner Band Tworna oder zu meiner Waldzither. Des Weiteren mag ich Lieder aus aller Welt, in anderen Sprachen und von anderen Kulturen. Ich hatte in der Vergangenheit diesbezüglich schöne Chorprojekte mit den Singfrauen Berlin. Gerade beschäftigte ich mich auch viel mit heilsamen Liedern in Singgruppen. Singen als gemeinschaftliche, wohltuende Gruppenerfahrung.
In diesem Jahr hatte ich einige sehr berührende Erlebnisse im privaten Rahmen, wo ich Lieder für Menschen gesungen habe, zum Beispiel für eine mazedonische Frau in einer Reha-Klinik, die ich gar nicht persönlich kannte, aber der ich gern eine Lied in ihrer Muttersprache schicken wollte, um sie zu stärken. Das war ganz wundervoll, was die Kraft der Musik und der Gesang da bewirkt haben.
Ansonsten schätze ich die Lieder des Barockkomponisten Henry Purcell. Das ist für mich die perfekte Symbiose von Stimme und Melodie, in meinen Ohren die hohe Kunst und die pure Hingabe. Das singe ich viel in meinem stillen Kämmerlein für mich allein :-)
Unabhängig vom Singen bei Konzerten, das mir große Freude bereitet, besonders, wenn Leute sich auch eingeladen fühlen mitzusingen oder sich die Blicke begegnen, trällere ich gerne mit Senior*innen und immer wieder voller Inbrunst für das Wesen an meiner Seite, in das ich sehr verliebt bin.
Meine Liebe zum Singen verdanke ich…
… meiner Mutter, außerdem der amerikanischen Singer-Songwriterin Tori Amos und der Rocksängerin Courtney Love.
Alle Kinder singen gern. Viele verlieren später die Lust daran. Wie ließe sich das ändern?
Ich habe ja eher mit Senior*innen zu tun, und bei denen hört die Lust wie’s scheint nicht auf :-) Ganz allgemein würde ich sagen, man sollte Musik in der Schule mehr fördern und zum Beispiel spannende genreübergreifende Projekte mit externen Musiker*innen machen. Eine tolle Sache wäre auch, Kinder und Senior*innen zum gemeinschaftlichen Singen zusammenzubringen, so dass die Kinder den Wert der Volkslieder zu schätzen lernen und zugleich die Geschichten dazu erfahren, am besten direkt von Oma Hilde oder so :-)
Was kann die Deutschfolk-Szene tun, um das Singen zu fördern? Welche Erfahrungen hast Du selbst dabei gemacht?
Mit meiner Band Tworna möchte ich gerne andere inspirieren, sich mit deutschen (Volks-)Liedern auseinanderzusetzen und sie zu singen. Ich habe oft erlebt, dass Menschen, nachdem sie in unserem Konzert waren, diese Lieder mit anderen Augen gesehen haben. Grundsätzlich wäre es gut, mehr Projekte in Schulen zu fördern und so kreative Räume zu schaffen, um Deutschfolk mit den Interessen jüngerer Generationen zu verbinden.
Jessica Jäckels Homepage
Homepage von Tworna
Geschafft: Die Waldzither ist immaterielles Kulturerbe! | 29.03.25
Vivien Zeller (Berlin)
Aufgewachsen in einer musikalischen Familie, begann sie als Fünfjährige Geige zu spielen, später erhielt sie außerdem Unterricht für Klavier, Gitarre, Gesang und Tanz. Seit 1998 ist Vivien freischaffende Musikerin und Instrumentallehrerin, seit 2003 Diplom-Musiktherapeutin. Mit 17 Jahren entdeckte sie die traditionelle Tanzmusik für sich. Über schwedische, dänische und irische Folkmusik führte ihr Weg zur eigenen Tradition. Seither forscht sie in Archiven nach handschriftlichen Notenbüchern von Tanzmusikern des 17.-20. Jahrhunderts. Vivien bietet Kurse für traditionelle Musik und Tanz an. Seit 2009 ist sie Mitorganisatorin des „Klangrauschtreffens“ in Hösseringen. Seit 2015 unterhält sie den youtube-Kanal „TradTanzMusik“ und betreut mit anderen die Website tanzmusikarchiv.de. Sie musiziert im In- und Ausland auf Festivals, bei Spielkursen und Sessions, u. a. in Bands wie Malbrook, Kwart (RUTH-Preisträger 2005 bzw. 2010) oder dem Duo TradTöchter. 2023 wurde sie in den PROFOLK-Vorstand gewählt.

Singen ist für mich…
… Leben, Selbstausdruck, Informationsweitergabe.
Am liebsten singe ich…
… Volkslieder, zusammen mit anderen.
Meine Liebe zum Singen verdanke ich…
… letztendlich meiner Mutter, die mit mir als Kind ständig gesungen hat.
Alle Kinder singen gern. Viele verlieren später die Lust daran. Wie ließe sich das ändern?
Indem Kinder nicht in der Schule zum Singen auf Zensur und vor anderen gezwungen werden. Indem Kinder nicht beurteilt werden „Du kannst nicht singen“.
Was kann die Deutschfolk-Szene tun, um das Singen zu fördern? Welche Erfahrungen hast Du selbst dabei gemacht?
Mitsingangebote für den Normalverbraucher anbieten.
Henrike Eckhardt (Ansbach/Franken)
Die Grafikdesignerin und Folkmusikerin stammt aus Norddeutschland. In verschiedenen Formationen und den Sessions der Hamburger Folkszene hat sie bewiesen, dass man Irish Folk auch auf Blockflöten so spielen kann, dass es irisch klingt. Heute liegt der Schwerpunkt ihrer musikalischen Aktivitäten auf der traditionellen deutschen Musik und den Tanzmelodien der Bal-Folk-Szene. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Klaus singt und spielt sie im Duo Erledanz u. a. überlieferte Volkslieder aus der saarländisch-lothringischen Grenzregion, begleitet mit diversen Flöten, Streichpsalter und Glockenspiel. 2014 veröffentlichten beide ein Buch mit Liedern aus der Sammlung "Verklingende Weisen" des lothringischen Pfarrers Louis Pinck vom Anfang des 20. Jahrhunderts. 2021 entwarf Henrike das Layout für die neugegründete DeutschFolk-Initiative.

Meine Liebe zum Singen verdanke ich…
Ich bin eigentlich keine leidenschaftliche Sängerin. Schon als Kind mochte ich nicht singen, wenn andere Leute zuhörten. Auch zu Hause wurde nicht wirklich gesungen, ich wuchs auf mit Katja Ebstein, Mirielle Mathieu, Milva & Co., der aktuellen Hitparade. Sie waren alle so schön und magisch, mit ihren funkelnden Kostümen und Mikrofonen vor den glänzenden Lippen! Sie heimlich zu imitieren war ein großer Spaß. Vor allem auf Englisch oder was ich dafür hielt.
Als ich etwas älter war, kaufte sich mein Vater eine Gitarre, nahm Unterricht und sang dazu Lieder. Das fand ich super! Er brachte mir drei Gitarrengriffe bei. Damit kam ich schon ziemlich weit, und ich wusste nicht, dass ich bereits Folk spielte. Später wurde ich Mitglied in einem Jugend-Naturverein, wo die Abendunterhaltung aus gemeinsamem Singen bestand, begleitet auf den Instrumenten, die man so konnte. Am Lagerfeuer, am See, im Zug, Schlafsack, Küchenzelt... Das war Magie ohne Glitzer und Elektronik vorm Gesicht. Da traute sogar ich mich zu singen, allein mit einer geliehenen Gitarre. Und freute mich über meine Zuhörerschaft, die sich gut unterhalten fühlte und mir Anerkennung entgegenbrachte.
Am Liebsten singe ich...
… mit meinem Mann Klaus. Als Duo Erledanz spielen wir vor allem traditionelle deutsche Lieder. Von Klaus auf der Zister begleitet zu werden, ist traumhaft schön. Allerdings habe ich immer noch Probleme, wenn andere zuhören, aber ich arbeite dran...
Alle Kinder singen gern. Viele verlieren später die Lust daran. Wie ließe sich das ändern?
"Die Stimme ist ein Spiegel der Seele", wie man so sagt, und es erfordert Mut, diese offenzulegen. Das mag grad bei Jugendlichen in der Pubertät, der Zeit der Wesensveränderung und Unsicherheiten, dazu beitragen, es lieber zu lassen.
Eine Gemeinschaft, in der gesungen wird, wo keine Bewertung stattfindet und jeder sich willkommen fühlen kann, ist wichtig. Wo die Coolsten die sind, die die meisten Lieder kennen und sich und die anderen zu Gitarre, Zister, Waldzither und Co. begleiten und andere animieren können. Das Gemeinschaftserlebnis, wenn das Drumherum einfach auch stimmt. Wenn das Singen mit einer positiven Zeit verbunden wird.
Was kann die Deutschfolk-Szene tun, um das Singen zu fördern? Welche Erfahrungen hast Du selbst dabei gemacht?
Wir brauchen handgemachte Musik, wir müssen zurück zum Wesentlichen! Unsere Wurzeln brauchen Halt und Nahrung. Das Wunderbare ist, dass alles schon da ist. Folk ist eine Musikrichtung, in die man sich schnell einfindet, da die Melodien oft einfach zu erlernen sind, ohne jahrelanges Üben. Wichtig ist, dass die Deutschfolkszene das alles vermittelt und bietet. Zum einen Sessions, wo alle mitmachen können, aber auch die hochkarätigen Bands, die zeigen, was man daraus entwickeln kann.
Michael Möllers (Hannover)
Aufgewachsen im westfälischen Rheine, beschäftigt er sich seit früher Jugend mit Folkmusik. Prägend war 1973 die Begegnung mit dem nordirischen Sänger und Banjospieler Michael Hughes im Jugendzentrum seiner Heimatstadt. In verschiedenen Bands spielte und spielt Michael Irish Folk, American Oldtime und Deutsch-Folk, mit Geige, Gitarre und Stimme. 1986 gehörte er in Hannover zu den Gründern von Dereelium, einer der renommiertesten deutschen Irish-Folk-Bands, ab Ende der 90er musizierte er bei Emerald, dann bei Squish. Ein neues Kapitel begann 2013 mit der Gründung von Dahlhoff – die Band. Im Jahr zuvor war die Dahlhoffsche Tanzsammlung vom Ende des 18. Jahrhunderts entdeckt worden. Michaels Interesse an traditioneller deutscher Musik erwachte von neuem. 2024 organisierte er das Deutschfolk-Festival in Dinker/Westfalen, der Wirkungsstätte der Küster-Dynastie Dahlhoff.

Singen ist für mich…
… das Tor zur Musik. Meine Ausbildung begann in Kindergarten, Grundschule und städtischem Kinderchor Rheine. Keinerlei Noten, nur Intervalle und Tonika-Do-Methode. Erster Auftritt mit meinem Bruder Hannes in einem Kinderweihnachtsoratorium als Sänger der Weihnachtsgeschichte: zwei Sopränchen mit sechs und acht.
Am liebsten singe ich…
… deutsche Volkslieder, alte und neue, Kunstlieder. Zur Not auch mal aus meinem umfangreichen englischsprachigen/französischem Repertoire. Wo? Zu Hause, mit Freunden, in Altenheimen, Schulen, auf großen Bühnen (mit etliche Gruppen), in Sessions, unter der Dusche. Mit wem? Mit jedem, der mitsingt, am liebsten mit Tanja. Für wen? Jeden, der‘s hören mag und mitsingen will, von Bühne bis Straßenmusik ist alles dabei.
Meine Liebe zum Singen verdanke ich…
… meinen Eltern, Großeltern (Jugendbewegung, vor allem meiner Mutter).
Alle Kinder singen gern. Viele verlieren später die Lust daran. Wie ließe sich das ändern?
Meinen beiden Töchtern habe ich ritualisiert jeden Abend Schlaflieder gesungen (Klein‘s Wildvögelein, der Mond, Tilla…), bei Familientreffen und -festen wurde und wird immer gesungen. Eine Tochter ist Solistin in einem Gospelchor. Ja, niveauvolle Popmusik geht notfalls auch.
Was kann die Deutschfolk-Szene tun, um das Singen zu fördern? Welche Erfahrungen hast Du selbst dabei gemacht?
Festivals sind natürlich der Ort für gemeinsames Singen (wenn sie nicht zu groß sind). Das „Klangrauschtreffen“ in Hösseringen ist suuuuper! Meine Idealvorstellungen gehen immer ins Kleine. Ich habe ja schon Vorschläge gemacht und in die Tat umgesetzt. Erstens die Deutschfolk-Bühne als Format in jeder Stadt. Organisatorisch und kostenmäßig niederschwellig, mitsingorientiert. Und nicht zu lang. Zweitens die Deutschtrad.-Session: Informelles Treffen von Menschen, die ausdrücklich Lieder und Tänze aus dem deutschen Sprachraum praktizieren. Öffentlich zugänglich, am besten in einer Kneipe. Bei uns in geraden Kalenderwochen vierzehntägig in der Kneipe „Zum Stern“.
Homepage von Dahlhoff – die Band
Wolfgang „Hein“ Rieck (Ostseebad Nienhagen)
Als Vollmatrose fuhr der gebürtige Rostocker 1969-71 auf DDR-Handelsschiffen durch die Welt und studierte danach Elektrotechnik, später außerdem Gesang und klassische Gitarre. 1975-93 trat er gemeinsam mit Joachim Piatkowski als Duo Piatkowski/Rieck auf. Mit Programmen niederdeutscher Folklore und eigener Liedern gehörten beide zu den erfolgreichsten Folkmusikern der DDR, bekamen 1979 den Hauptpreis der Chansontage in Frankfurt/Oder und konnten beim Label Amiga Langspielplatten einspielen. 1993 löste sich das Duo auf. Danach war Wolfgang bis 2001 dritter Mann bei Liederjan in Hamburg. Seitdem tritt er meist solistisch auf, mit hochdeutschen und plattdeutschen Liedern aus eigener Feder und nach Texten von Gegenwartsautoren. Sein Lied „Vergessene Helden“ kam 2017 auf Platz 1 der Liederbestenliste, die CD „Geben und Nehmen“ war 2023 für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik“ nominiert. Gemeinsam mit Heike Kellermann nahm Wolfgang eine CD mit einem Theodor-Kramer-Programm auf. Dazu kommen Programme für Kinder, Hörbuch- und Theaterproduktionen.

Singen ist für mich …
… ein permanentes Bedürfnis.
Am liebsten singe ich …
… mehrstimmig mit Freunden, wenn gerade die Gelegenheit dazu ist. Das kommt allerdings leider viel zu selten vor. Die Inhalte meiner Lieder sollten sich aus sehr guten, poetischen Texten speisen. Als „Einzelkämpfer“ singe ich für alle, die Ohren haben: Kinder, Schüler, Jugendliche, „normales“ Konzertpublikum, Senioren, Menschen in Altenheimen usw.
Meine Liebe zum Singen verdanke ich …
… meinen Eltern – und den Beatles, die mich 1963 zur Musik gebracht haben.
Alle Kinder singen gern. Viele verlieren später die Lust daran. Wie ließe sich das ändern?
Indem man ihnen die Scheu vorm Singen nimmt und ihnen dies als ganz natürliche Lebensäußerung vorlebt, indem die Eltern immer, wenn Gelegenheit dazu ist, mit ihnen singen. Und indem man Kinder für das Singen im Chor begeistert und Ihnen damit eine Gemeinschaft ermöglicht.
Was kann die Deutschfolk-Szene tun, um das Singen zu fördern? Welche Erfahrungen hast Du selbst dabei gemacht?
Angebote zum Mitsingen für ganz „normales“ Publikum schaffen, denn die positive Erfahrung eines Miteinander-Singens ist einmalig!
Tim Liebert alias „Doc Fritz“ (Jena)
Aufgewachsen ist der Multiinstrumentalist, Waldzither-Lobbyist und Liedermacher im thüringischen Vogtland und lebt heute in Jena. Als Achtjähriger spielte er Querpfeife im örtlichen Spielmannsverein, erhielt später Gitarren- und Geigenunterricht, brachte sich selbst das Spiel auf Mandoline, Banjo, Waldzither, Querflöte und Mundharmonika bei. Seit 1986 spielt Tim in verschiedenen Bands Deutschfolk, Irish Folk und Bluegrass. Das Jenaer Weltmusikorchester Folkdestille gewann 2010 beim Plauener „Folkherbst“ den „Eisernen Eversteiner“. 2013 gründete Tim beim Waldzithersymposium in Suhl das Deutschfolk-Quartett Hüsch. Seit 2015 ist der promovierte Chemiker freischaffender Musiker. 2020 gehörte der zu den Mitbegründern der DeutschFolk-Inititive unter dem Dach von PROFOLK, des Bundesverbandes für Lied, Folk und Weltmusik. 2023 wurde Tim zu dessen 2. Vorsitzenden gewählt und gewann mit dem Trio Lind beim Liederfest „Hoyschrecke“ in Hoyerswerda den Publikumspreis.

Singen ist für mich…
… die emotionalste Art zwischenmenschlicher Kommunikation. Die Stimme ist das „Instrument“, welches am direktesten in unsere Gefühls- und Gedankenwelt eingreift. Singen kann auch ein gutes Ventil sein, und am Ende macht es einfach Freude und belebt im besten Sinne.
Am liebsten singe ich…
Ich singe fast immer (was für meine Freundin und mein Umfeld manchmal sicher nicht leicht ist). Singen ist mein Beruf. Daher singe ich viel auf Bühnen. Trotzdem singen wir auch im Freundeskreis sehr viel. Es gehört zu jedem Fest.
Meine Liebe zum Singen verdanke ich…
… sicher meinem Vater. Kein Familienfest ohne Lied von Schlager bis vogtländische Mundart. Ein Katalysator zum Vielsingen war bestimmt auch der hohe Grad an Musikbessesenheit in der ostdeutschen Subkultur der 80er Jahre, speziell der Folkblase.
Alle Kinder singen gern. Viele verlieren später die Lust daran. Wie ließe sich das ändern?
Indem es immerwährend gefördert wird. Singen in der Schule ohne Leistungskontrolle und Altersbeschränkung. Bereitstellen von gut Singbarem. Viel Gesang im öffentlichen Raum
Was kann die Deutschfolk-Szene tun, um das Singen zu fördern? Welche Erfahrungen hast Du selbst dabei gemacht?
Wir stellen Material bereit über Homepages und händisch z. B. dem DeutschFolk-Zentrum in Bockendorf (Mittelsachsen). Ganz praktisch bieten wir Mitsingangebote an, etwa Mitsingabende in Weinlokalen. Meiner Erfahrung nach wird das super angenommen. Vor allem Leute, denen immer gesagt wurde, du kannst nicht singen, sind dankbar und bewegt. Es gibt keine Altersgrenzen. Alle finden es toll und tragen es weiter.
Gudrun Walther (Lenningen, Schwäbische Alb)
In einer musikalischen Familie u.a. mit deutscher, irischer und französischer Folkmusik aufgewachsen, begann Gudrun schon als 6-Jährige, traditionelle Musik auf der Geige zu spielen. Parallel genoss sie eine klassische Ausbildung. Mit 17 Jahren beschloss sie, Berufsmusikerin zu werden und tourt heute als Frontfrau mit ihren Bands CARA und Deitsch sowie im Duo mit Jürgen Treyz durch ganz Europa, die USA und Australien. Sie singt, spielt Geige, Bratsche und diatonisches Akkordeon. Während der Corona-Pandemie organisierte sie im Sommer 2020 das Sang & Klang Festival als erstes Online-Festival für Deutschfolk und Lied. Sie initiierte sie das Jugendfolkorchester, das 2024 erstmals beim Rudolstadt-Festival auftrat (in diesem Jahr erneut).

Singen ist für mich…
… lebensnotwendig.
Am liebsten singe ich…
… mit anderen zusammen.
Meine Liebe zum Singen verdanke ich…
… meiner Mutter, die mich von klein auf ermutigt hat.
Alle Kinder singen gern. Viele verlieren später die Lust daran. Wie ließe sich das ändern?
Im Musikunterricht in der Schule sollte oft und regelmäßig gesungen werden, als festes Ritual.
Was kann die Deutschfolk-Szene tun, um das Singen zu fördern? Welche Erfahrungen hast Du dabei gemacht?
Gemeinsames Singen anregen! In unseren Konzerten plane ich immer ein paar Lieder ein, bei denen das Publikum mitsingt. Ich sage dann immer, dass es erwiesen ist, dass gemeinsames Singen glücklich macht und gut für die Gesundheit ist. Und das stimmt ja auch!
Homepage von Gudrun Walther & Jürgen Treyz
Manfred Wagenbreth (Berlin)
Als Student in Leipzig gehörte er 1966-68 zu frühen Besetzungen der Rockband Renft. Nach dem Studium arbeitete er in Berlin als Übersetzer bei der Nachrichtenagentur ADN und als Musikredakteur beim DDR-Rundfunk. 1975-77 spielte er in der Folkrockband Ostkreuz, dann in den Folkbands Jack & Genossen sowie Windbeutel. 1979 ging er nach Leipzig zu Folkländer, später Folkländers Bierfiedler. 1985 übernahm er die Leitung der Band, war Sänger, Mandolinist, Gitarrist und Songschreiber auch bei den Nachfolge-Projekten Drumalane Waltz, Bierfiedler, Die Sieben Leben und Cohensome Heros. Ab 1992 präsentierte er im MDR-Kulturradio Folk, Weltmusik, Songs & Chansons. 2013-17 tourte er mit dem Akkordeonisten Johannes Uhlmann. Seit 2019 gehört Manfred zur wiedergegründeten Gruppe Folkländer.

Singen ist für mich…
… stimmungsabhängig; im Alter mehr denn früher. Aber wenn alles passt – Song-Auswahl, Befindlichkeit, Umgebung, Kreis der Mitsingenden – immer wieder gern.
Am liebsten singe ich… (was? wo? mit wem? für wen?)
Da gibt es ein weites Repertoire, je nach Lust und Laune. Vor Publikum bei Auftritten. Im Freundeskreis. Mit den Freundinnen und Freunden in der Band. Mit denen, die man schon lange kennt und schätzt.
Meine Liebe zum Singen verdanke ich…
… wohl meiner Mutter.
Alle Kinder singen gern. Viele verlieren später die Lust daran. Wie ließe sich das ändern?
Weiß nicht. Sollte man? Ich misstraue verordnetem Singen. Es lebe der innere Antrieb.
Was kann die Deutschfolk-Szene tun, um das Singen zu fördern? Welche Erfahrungen hast Du dabei gemacht?
Wenn das gemeinsame Singen zustande kommt – wunderbar! Man kann (und sollte) es halt auch nicht erzwingen.
Homepage des Duos Wagenbreth/Uhlmann (bis 2018)
Das Projekt "Instrument des Jahres"
Zustande kam es im Jahr 2008 auf Initiative des Landesmusikrates Schleswig-Holstein. Sabine Meyer übernahm damals die Schirmherrschaft über das von ihr meisterhaft gespielte Instrument, die Klarinette. Das Projekt soll für die Musik und das Musizieren im Allgemeinen werben, aber auch das jeweilge Instrument in seinen vielen unterschiedlichen Facetten beleuchten. Die bisherigen Instrumente des Jahres:
2008 Klarinette, 2009 Trompete, 2010 Kontrabass, 2011 Posaune, 2012 Fagott, 2013 Gitarre/Bağlama, 2014 Bratsche, 2015 Horn, 2016 Harfe, 2017 Oboe, 2018 Violoncello, 2019 Saxophon, 2020 Violine, 2021 Orgel, 2022 Drumset, 2023 Mandoline, 2024 Tuba.
Tiefe Töne als Folkmusik-Fundament | 10.04.24
