Auch die Berliner Folkband gehört zu den Jubilaren des Jahres 2026. Am 28. Juni 1981, also vor 45 Jahren, stand JAMS zum ersten Mal auf der Bühne, damals entstanden aus einer Sommerlaune heraus. Großen Anteil hatte JAMS am Folktanz-Boom während der 80er in der DDR-Szene. 1990 war die Gruppe um Jo Meyer die erste Ostband mit einem Westmusiker. 2024 spielte sie in alter Frische beim Rudolstadt-Festival, auf der großen Konzertbühne und zum Tanz.
VON WOLFGANG LEYN

JAMS gehört heute zu den der international erfolgreichsten deutschen Folkbands. Der Bandname setzt sich aus den Namen der Gründungsmitglieder zusammen: Jo-Andy-Micha-Session. Jo Meyer (Dudelsack, Drehleier, Akkordeon) und Michael Zimmermann (Kontrabass, Tuba) spielten damals bei der Gruppe Windbeutel, Andy Wieczorek (Klarinette, Mandoline, Hackbrett) bei Polkatoffel. Eigentlich als Sommerspaß-Sessionband gedacht, etablierte sich JAMS als bedeutende DDR-Folkband, nachdem Gabi Zanke (Geige) die Besetzung komplettierte.
Folktanz-Boom und Instrumenten-Eigenbau
Ab 1982 lud JAMS regelmäßig zum Mitmach-Volkstanz ins Haus der jungen Talente, das größte Jugendklubhaus der DDR-Hauptstadt. Über zehn Jahre war der dortige Saal alle 14 Tage ausverkauft bei JAMS' Tanzhaus. Von Beginn an war die Band eine der treibenden Kräfte beim Folktanz-Revival der 80er Jahre in Ostdeutschland. Gemeinsam mit Folkländers Bierfiedlern aus Leipzig spielte sie 1985 bei AMIGA die Live-LP „Folks' Tanz Haus“ ein.
In den 80er Jahren gehörte Jo Meyer zum Kreis jener handwerklich begabten DDR-Folkmusiker, die sich an den Eigenbau von historischen Musikinstrumenten heranwagten, denn weder Dudelsäcke noch Drehleiern gab es hierzulande im Laden zu kaufen, ebenso wenig wie irgendwelche Bauanleitungen dafür.
Norddeutsche Weltmusik
Anfangs war JAMS in vielen internationalen Folk-Stilrichtungen unterwegs und erfand dafür die Bezeichnung „Bastardmusik“. Mittlerweile bestimmen niederdeutsche Texte und Lieder ihr Repertoire, auch wenn die Band weiterhin unterschiedlichste Einflüsse in ihrer Musik verarbeitet. Sie nennt das "Noorddüütsch Musik ut de ganze Welt".
Friesische Balladen werden mit rockigen Grooves garniert. Mecklenburger Tanzlieder bekommen ein Korsett aus Bläserriffs. Da kommt es auch schon mal vor, daß norddeutsche Polkas auf den Balkan exportiert werden, daß der gute alte Schottisch wie Calypso tönt oder ein Shanty zum Hip-Hop mutiert. Neues, was traditionell klingt und umgekehrt. Plattdeutsche Texte, aktualisiert oder neu, zeigen die emotionale Beziehung zu einer Region, wie es eben nur eine Mundart kann.
Booklet zur CD "Fisch" (1997)
1990 kam der Friese Wolfgang Meyering (Mandoline) nach Ostberlin und machte JAMS zur ersten deutsch-deutschen Folkband. Sein friesisches Platt passte hervorragend zu Jo Meyers mecklenburgischem Platt. JAMS tourte in zahlreichen Ländern Europas sowie in den USA und brachte außerdem diverse Projekte mit Musikern anderer Genres auf die Bühne.
Polka und mehr
Heute spielt JAMS in unterschiedlichen Besetzungen und nach wie vor zum Folktanz. JAMS' Tanzhaus gestalten seit mehr als vier Jahrzehnten Tanzabende, auf denen traditionelle Tänze gemeinsam mit dem Publikum getanzt werden.

Das Konzept, von der ungarischen Táncház-Bewegung übernommen, ist so einfach wie genial: Zu einer Live-Folkband zeigen erfahrene TänzerInnen mal Tänze vor oder tanzen ganz einfach "inkognito" mit, um dem Publikum so auf die "Sprünge" zu helfen. Angeleitet wird alles von einem Tanzmeister, ähnlich dem Caller beim Square Dance, der durch den Abend führt, Einsätze und Tempi vorgibt und denen hilft, die aus der Reihe tanzen.
Jo Meyer auf youtube
Mehr über die Táncház-Bewegung in Ungarn
JAMS' Tanzhaus 2024 beim Rudolstadt-Festival – Live-Mitschnitt auf youtube
2002 gründete Andy Wieczorek gemeinsam mit Jo Meyer die Band POLKAHOLIX, die traditionelle Polka mit Elementen von Rock, Ska und Punk mischt. Passend dazu organisierte Jo Meyer von 2010 bis 2024 das Festival „PolkaBEATS“ in und um Cottbus.
Band mit Bindungskraft
JAMS ist nach eigener Aussage eine lebendige Folk-Familie, die auch nach längeren Pausen immer wieder zueinanderfindet. Im Laufe der Zeit hinzugekommene Bandmitglieder waren oder sind:
Michael Waterstradt (Bass), Wolf Quasdorf (Banjo, Flöten), Cathrin Pfeifer (Akkordeon), Dirk Wasmund (Klarinette), Bernd Gesell (Bass), Holger Lattke (Klarinetten, Saxophone), Mario Würzebesser (Drums, Marimba), Jens Saleh (Bass), Merli Donoso (Perkussion), Snorre Schwarz (Drums) und Frieda Meyer (Geige).
