
Am 20. März beginnt auf der Nordhalbkugel der kalendarische Frühling. In diesem Jahr pünktlich 15.45 Uhr, sagen die Astronomen. Für die Meteorologen beginnt der Frühling schon am 1. März. Die Vögel singen, die Frösche wandern, die Frühjahrsblüher machen ihrem Namen alle Ehre. Frösche kommen im Volkslied eher selten vor, dafür aber Singvögel und Blumen. Und die Liebe, so auch in diesem Lied aus dem 19. Jahrhundert (was allerdings davon abhängt, wie viele Strophen man singt).
VON WOLFGANG LEYN
NOTEN

TEXT
Jetzt fängt das schöne Frühjahr an,
und alles fängt zu blühen an
auf grüner Heid' und überall.
Es blühen Blümlein auf dem Feld,
sie blühen weiß, blau, rot und gelb.
Es gibt nichts Schön'res auf der Welt
Jetzt geh ich über Berg und Tal,
da hört man schon die Nachtigall
auf grüner Heid und überall.
Weitere Strophen:
Jetzt leg ich mich in'n grünen Klee,
da singt das Vöglein in der Höh,
weil ich zu mei'm Feinsliebchen geh.
Und als ich vor ihr Fenster ging,
da klopft' ich an mit meinem Ring,
und da war schon ein andrer drin.
Hab ich dich nicht recht treu geliebt
und dir dein Herz niemals betrübt,
doch seh ich wohl, du führst ein falsche Lieb.
Jetzt geh ich in den grünen Wald,
da such ich meinen Aufenthalt,
weil mir mein Schätzle nimmer g'fallt.
Jetzt leg ich mich ins Federbett
bis über die Ohren zugedeckt,
bis mich ein andres Schätzle weckt.
HÖRBEISPIELE
David Lübke (2023)
https://www.youtube.com/watch?v=pTTZUrfV1uU&list=RDpTTZUrfV1uU&start_radio=1
Das Frühjahr - TradTöchter (2021), eigene Melodie
https://www.youtube.com/watch?v=7xnq9tdnMr8
Peter Huber u. a. (2019)
https://www.youtube.com/watch?v=vK6rPBaOBzk&list=RDvK6rPBaOBzk&start_radio=1
Karla Andrä und Josef Holzhauser, Fakstheater Augsburg (2014)
https://www.youtube.com/watch?v=AbZQNhuFKLQ&list=RDAbZQNhuFKLQ&start_radio=1
Bube Dame König (2014)
https://www.youtube.com/watch?v=asWLUY40maY&list=RDasWLUY40maY&start_radio=1
Studiochor Berlin (1974)
https://www.youtube.com/watch?v=jsg8ToJS1fE&list=RDjsg8ToJS1fE&start_radio=1
LIEDGESCHICHTE
Volkslieder sind wandelbar. Während bei „O Tannenbaum“ aus einem Liebeslied durch Hinzudichten von Strophen ein Weihnachtslied entstand, wurden hier die Strophen weggelassen, die vom erfolglosen Liebeswerben beim „Fensterln“ erzählen. Zurück blieb ein dreistrophiges, schulbuchtaugliches Frühlingslied. Im „Deutschen Liederhort“ von Ludwig Erk und Franz Magnus Böhme (1893/94) trägt das Lied noch den Titel „Das ungetreue Schätzchen“. Aufgezeichnet in Hessen und im Elsass, wurde es schon im 17. Jahrhundert in ähnlicher Form in Franken und im Rheinland gesungen.
