Kalenderblatt: Vor 45 Jahren erstes „Leipziger Folksblatt“

Zielgruppe der drei Hefte im Format DIN A 4 mit je zwölf Seiten waren die 21 Bands, die an der 2. Zentralen DDR-Folklore-Werkstatt vom 16.-18. Januar 1981 in Leipzig teilnahmen. Enthalten sind Programmablauf, Bandporträts, Listen von Volksliedsammlungen und folkfreundlichen Veranstaltern, dazu Gedanken über Wanderlieder und Folkfestivals, Text und Noten eines erotischen Volksliedes, Sentenzen und Karikaturen.

Die ersten drei Leipziger Folksblätter (16.-18. Januar 1981)
Die ersten drei Leipziger Folksblätter vom 16.-18. Januar 1981 (Sammlung Wolfgang Leyn)

Folksblatt-Heft 1 enthält ein Grußwort der gastgebenden Gruppe Folkländer, den Programmablauf der Werkstatt, dazwischen neun Seiten Bibliographie der wichtigsten deutschen Volksliedsammlungen, zusammengetragen von Jürgen Wolff und Erik Kross (beide Folkländer)

Folksblatt-Heft 2 bringt Kurzporträts von 14 bei der Werkstatt vertretenen Bands aus Bautzen, Berlin, Cottbus, Halle, Heiligendamm, Ilmenau, Jena, Leipzig, Neuhaus, Plauen, Rostock. Zu finden sind Artikel von Volksliedsammlern aus Thüringen und dem Harz, Informationen über die 1977 in der DDR gegründeten regionalen Folklorezentren, ein Essay über das Wandern und Wanderlieder. Vorgestellt wird ein Gewährsmann des Volksliedsammlers Wolfgang Steinitz. Außerdem gibt es im Heft Vignette, Karikaturen und Witze, frei nach "Anfrage an Radio Jerewan":

Anfragen an Radio DDR II:

  • Warum schreibt die Presse so wenig über die Folklorebewegung? Antwort: Ihr Niedergang ist noch nicht so offensichtlich.
  • Ist Folklore ein Hobby wie Aquaristik, Motorsport oder HWG? Rückfrage: Was ist HWG? Antwort: Häufig wechselnder Geschlechtsverkehr. Rückantwort: nein, dann nicht.

Verfasser ist der mit der Folkszene verbundene Berliner Musikethnologe Axel Hesse.

Folksblatt-Heft 3 bietet Artikel über Folkländers (Vor-)Tanzgruppe Kreuz & Square, unter der Überschrift „Öffentliches Opfern der Tonika“ Kernsätze aus einem Interview mit Folkmusikdirektor Erik Kross, Dirigent der Hektik-Drive-Big-Band mit 27 Musikern aus zwölf Bands, die während der Werkstatt formiert wird. Einer der Kernsätze:

Es gibt in der Big-Band keine Zufälle, ausgenommen sind jene der Tonfindung.

Besetzungsliste der Hektik-Drive-Big-Band, abgedruckt im "Leipziger Folksblatt" 3/1981
Besetzungsliste der Hektik-Drive-Big-Band, abgedruckt im "Leipziger Folksblatt" 3/1981

Außerdem stehen im Heft Porträts weiterer Bands aus Berlin, Erfurt und Jászberény in Ungarn, dazu „Zweieinhalb Gedanken zu Folkfestivals“, Text und Noten eines erotischen Volksliedes, die Vorstellung eines betagten Concertina-Spielers aus dem Vogtland, der Appell an die Szene, den Kontakt zur jüngsten und zur ältesten Generation zu suchen, und last not least eine Adressliste folkfreundlicher Veranstalter.

Redakteure und Gestalter des „Leipziger Folksblatts“ kamen aus der Szene. Herausgeber war das Leipziger Stadtkabinett für Kulturarbeit, das gemeinsam mit der Gruppe Folkländer das Werkstatt-Wochenende veranstaltete.

Und nach der Folk-Werkstatt 1981?

Auch 1982, während der 3. Zentralen DDR-Folkwerkstatt, erschien für die Teilnehmer wieder ein „Leipziger Folksblatt“. Fertig geworden sind jedoch nur zwei Nummern. Die dritte kam wegen des Eklats um das von den Werkstattteilnehmern einstudierte, dann aber verbotene Singspiel „Die Boten des Todes“ der sogenannten "Folkoper" nicht zustande. Erhalten ist nur Jürgen Wolffs Titelblatt-Entwurf:

Jürgen B. Wolffs Coverbild für das nicht erschienene "Leipziger Folksblatt" 3/82

Und so ging's mit dem Leipziger Folk(s)blatt weiter – von 1984 bis 1997