Kaboros: Mit dem Akkordeon wieder Freude an der Musik gefunden

Kati Kaboros spielt Akkordeon und singt eigene Lieder im niederbairischen Dialekt. Das 2023 erschienene Album „Existenz. Tragödie in 10 Akten“ bezeichnete der Rezensent der „Passauer Neuen Presse“ als „musikalische Achterbahnfahrt aus Lebenslust und schräger Poesie. Folk, Punk, Chanson, wer weiß das schon“. Im April 2025 erlebte das gemeinsame Programm mit Jens-Paul Wollenberg, dem Urgestein der Leipziger Liedermacherszene, seine Premiere. Unter dem Motto "Geographisches Dilemma" trifft dort Mundart-Soul aus den Untiefen der niederbayerischen Wälder auf absurde Lyrik und Antichansons des leisen Widerstands. Im Frühjahr 2026 gingen Kaboros, Wollenberg und der Kontrabassist George Arnhold ins Studio, das Programm auf Vinyl einzuspielen.

Kaboros (Foto. Wolfgang Leyn)
Kati Kaboros (Foto: Wolfgang Leyn)

Seit wann spielst Du Akkordeon? Wie kam es dazu?
Ich spiele seit mittlerweile zehn Jahren Akkordeon. Ursprünglich komme ich vom klassischen Klavier. Die strenge Schule hat mir sehr vieles beigebracht, aber auch irgendwie den Spaß an der Musik genommen. Nach einer jahrelangen Spielpause dachte ich mir, das kann es doch nicht gewesen sein. Ich wollte wieder Freude beim Musizieren spüren. Dann kam mir die Idee, ob ich sie nicht vielleicht über ein anderes Instrument zurückfinden könnte. So kam ich auf die Idee, es mit einem Akkordeon zu versuchen.

Seit meiner Kindheit habe ich sehr diverse Musik gehört und wusste, dass Akkordeon sehr vielseitig sein kann. Nicht nur so, wie man es z. B. aus meiner Heimat Bayern kennt. Zudem erinnerte ich mich an einen Lebenstraum, einmal Straßenmusik zu machen. Das habe ich dann zusammen mit meiner Schwester vor acht Jahren durchgezogen – Kroatien, Meer, Sonne und Musik. Dabei fiel mir auf, welche Tiefe mit einem Akkordeon möglich ist, egal, ob Menschen die Songtexte verstehen oder nicht. Weil dieses Instrument die Seelen berühren kann.

Piano- oder Knopfakkordeon? Diatonisch, chromatisch? Was ist Dein Favorit? Und warum?
Ich spiele ein Pianoakkordeon. Es gibt so viele verschiedene Akkordeons, da hab ich bei Weitem noch nicht alles kennengelernt. Unbedingt möchte ich in meinem Leben noch lernen, das Knopfakkordeon zu spielen. Ein paar Berührungspunkte gab es bereits, und da gibt's musikalisch einfach noch ganz andere Möglichkeiten.

Außerdem war mir wichtig, die unterschiedlichen Klänge der Akkordeons kennenzulernen. Da hat jede Marke so ihre eigene Note. Mein aktueller Favorit sind italienische Akkordeons mit Cassotto [Der Cassotto-Hohlraum wirkt als passiver Filter, der bestimmte Frequenzen leiser macht und andere verstärkt – Wikipedia]. So eins habe ich auch.

Der Klang ist in zwei Registern unglaublich weich, und dadurch lässt sich auch ganz andere Musik spielen. Je nach Klang des Instruments entstehen für mein Gefühl unterschiedliche Stücke. Um das herauszufinden, war ich zwei Tage lang in einem Akkordeongeschäft in Baden-Württemberg und hab alles Mögliche getestet. Die waren sehr geduldig mit mir :)

Was magst Du am Akkordeon? Was womöglich weniger?
Ein Akkordeon kann ein halbes Orchester ersetzen, aber auch ganz fein einzelne Melodien spielen. Diese Bandbreite finde ich beeindruckend und fast unerschöpflich. Was mir jedoch regelmäßig Schulter- und Rückenschmerzen verschafft, ist das Gewicht. Einerseits erdet es mich, aber z.B. im Stehen zu spielen, beschert es mir zwei Tage Muskelkater.

Das „Schifferklavier“ hat in der Öffentlichkeit ein Image-Problem. Wie gehst Du damit um?
Vielleicht hab ich genau aus diesem Grund dieses Instrument gewählt. Weil ich versuche, dem etwas entgegenzusetzen. Wenn Menschen das Wort "Akkordeon" hören, haben sie eine sehr stereotype Vorstellung von etwas, was so nicht richtig ist. Dazu kommt, dass in meiner Heimat Niederbayern das Instrument nochmal krasser ein Image-Problem hat. Und ich versuche, dem Instrument Klänge zu entlocken, die man so jetzt gar nicht vermuten würde. Ich liebe Paradoxes und deshalb singe ich zu meinem Spiel auch noch auf Bairisch.

Welcher Akkordeonist, welche Akkordeonistin hat Dich besonders beeindruckt? Wodurch?
Als Teenager war ich schwer begeistert von Quadro Nuevo, dem Akkordeonisten Andreas Hinterseher. Die Band sah ich mit 14 zum ersten Mal live und war schockverliebt, weil ich nicht wusste, was man alles aus so einem Instrument rausholen kann. Dann erst später fand ich heraus, in welchen Stücken überall Akkordeon drin ist, die ich schon immer so gefeiert habe, z. B. Bratsch. Aber auch im Tango, im Bossa Nova, im Balkan, im Jazz, und was weiß ich. Großartig.

Gibt eine besondere Geschichte, die Du mit Deinem Instrument erlebt hast?
Da bevorzuge ich eine kleine witzige Geschichte. So eine Akkordeontasche schaut irgendwie komisch am Rücken aus. Mein ehemaliger Mitbewohner meinte mal: Ah, schau, Kaboros ist wieder mit der Schreibmaschine unterwegs. Seitdem denk ich da sehr oft dran, wenn ich mal wieder zu Fuß mit meinem Instrument unterwegs bin. Und da ich damit ziemlich oft zu Fuß unterwegs bin, fühlt sich Gehen ohne Instrument manchmal komisch an, mir fehlt die Erdung.

Kaboros mit Jens-Paul Wollernberg (Foto: Wolfgang Leyn)
Kaboros mit Jens-Paul Wollernberg (Foto: Wolfgang Leyn)

Kaboros bei bandcamp

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