1981 gründete er in Ost-Berlin gemeinsam mit Andy Wieczorek die Deutschfolk-Legende JAMS, mit der er europaweit bisher über tausend Konzerte spielte. In den 80er Jahren gehörte er zu den DDR-Folkmusikern, die unbedingt Dudelsack oder Drehleier spielen wollten und diese Instrumente, da man sie im Lande nicht kaufen konnte, selber bauten. Heute arbeitet Jo als Musikjournalist, Autor und Studiomusiker. Er war Juror bei Musikwettbewerben in Dänemark, Schweden, Norwegen und Polen. Seit 2002 gehört er zur Jury beim Preis der deutschen Schallplattenkritik. Im selben Jahr gründete er mit weiteren Musikerkollegen die Berliner Band POLKAHOLIX. Ihre Musik nennt sie selbst SpeedPolka-KrautSka-BrassMetal. 2010-24 organisierte Jo in und um Cottbus das internationale Festival PolkaBEATS.

Seit wann spielst Du Akkordeon? Wie kam es dazu?
Um 1978 habe ich in einer Singegruppe der Humboldt-Uni Berlin mit Pianoakkordeon angefangen, weil ich Klavier spielen konnte und weil‘s kein anderer machen wollte. Uncoole Klapperkiste aus den 50er Jahren… Als dann mein Folk-Interesse entstand, spielte ich erst Mandoline und Flöten. Später lieh mir die damalige Folksängerin Pascal von Wroblewsky eine professionelle, sechseckige vierreihige Konzertina. Die musste ich leider zurückgeben. Was blieb, war die Faszination für ein wechseltöniges Instrument.
Auf der Suche nach einer Konzertina stieß ich dann aufs Bandoneon. Auf meine Suchanzeige hin bekam ich auch eine zweireihige Hohner Ziehharmonika in (D/G!) angeboten, die fälschlich als Bandoneon deklariert war. Wegen der weiten Anreise wollte ich nicht mit leeren Händen nach Hause zurück und habe sie für 40 Ostmark mitgenommen.
Mein unbewusstes Klangideal, den damals kursierenden Folk-Mixtapes geschuldet, war flämische, frankokanadische und englische Ziehharmonikamusik. Das dazugehörige Instrument hatte ich nicht erkannt und deshalb versucht, solche Art Musik auf dem Bandoneon nachzuspielen. Mit meiner Hohner kam ich nicht zurecht. Ich hatte auch mir keine Mühe gegeben, System und Prinzip einer Ziehharmonika zu verstehen.
Beim Dudelsackfestival in Strakonice Anfang der 1980er Jahre spielte auch die belgische Band Kabberdoech. Damals habe ich zum ersten Mal eine „lebendig“ gespielte Ziehharmonika gesehen und erkannt, was die alles kann. Verrückt, dass ich bereits einige Monate so ein Instrument bei mir auf dem Schrank liegen hatte.
Von da an habe ich nur noch dieses Instrument gespielt und gezielt nach Ziehharmonika-Annoncen gesucht, habe diverse alte, Vorkriegs-Hohner-Club-Modelle erworben und sie in Crimmitschau auf 440 Hz stimmen lassen. Die alten Instrumente waren ja alle zu tief gestimmt. Schlussendlich hatte ich dann zwei Instrumente, die meinen Ansprüchen genügten. Mit diesen habe ich hunderte Konzerte und Folktänze gespielt, diverse Studioproduktionen sowie 4 LPs und 11 CDs eingespielt.
Anfang der 1990er Jahre konnte ich mir dann meinen vorher unerreichbaren Traum von einem französischen Modell (Saltartelle) erfüllen. Klang, Spielbarkeit und Optik waren mit keinem meiner alten Instrumente zu vergleichen.
Was magst Du am Akkordeon?
Ich mag den Klang in sehr flacher Stimmung, d. h. sehr geringe Schwebung in den Chören. Den pumpenden Groove (sogenanntes bowing) als spezifische Stilistik eines wechseltönigen Instrumentes.
Das „Schifferklavier“ hat in der Öffentlichkeit ein Image-Problem. Wie gehst Du damit um?
Das ficht‘ mich nicht an.
Welcher Akkordeonist, welche Akkordeonistin hat Dich besonders beeindruckt? Wodurch?
John Jones (Oyster Band, England) – Folk-Rock mit Ziehharmonika; Mats Eden (Groupa, Schweden) – groovige, lyrische Tanzmelodien; Régis Gizavo (Madagaskar) – Akkordeon-Chord-Grooves.
Gibt eine besondere Geschichte, die Du mit Deinem Instrument erlebt hast?
Bei der Arbeit mit der Band POLKAHOLIX brauchte ich mehr Töne pro Balgrichtung, ergo mehr Tasten. 2018 hatte ich eine 4-reihige Steirische Harmonika erworben. Markant die besonders tiefen „Helikon“-Bässe. Verlockend die 46 Melodietasten, ergo 92 Töne (Druck/Zug), gegenüber den 37 Tasten auf meiner SALTARELLE. So überlegte ich mir eine eigene Anordnung der Töne auf Bass- und Diskantseite, um vor allem den harmonischen Anforderungen bei POLKAHOLIX gerecht zu werden.
Der Brandenburger Akkordeonbauer Andreas Sommer baute mir dann das Instrument um. Technisch eine große handwerkliche Herausforderung! Dieses Akkordeon ist jetzt mein ausschließliches Instrument. Wenn Kollegen auf ihm spielen wollen, gibt es böse Überraschungen, weil eine ganze Anzahl Töne nicht an der üblichen Stelle sind. Manchmal warne ich sie nicht vor und beobachte mit diebischer Freude ihr Entsetzen. Manchmal – möchte ich unterstreichen!
