Mit 14 Jahren bekam er Gitarrenunterricht, erlernte, zum Teil autodidaktisch, auch das Spiel auf Fagott, Saxophon, Dudelsack, Gambe und Drehleier. Er interessierte sich für den Bau von Musikinstrumenten und wurde Klarinettenbauer. In den 80er Jahren eröffnete sich ihm durch den Volkstanz eine neue Welt. Er entdeckte seine Liebe für das diatonische Akkordeon, die bis heute anhält. Er spielte in Folkbands wie JAMS, Ostkreuz-Combo oder Trio Veranda, studierte am Konservatorium Rotterdam, lernte von Virtuosen in Frankreich und den Niederlanden, in Bulgarien und Mazedonien. Heute lehrt er selbst diatonisches Akkordeon und Ensemblespiel. Seit 1998 tritt mit dem Duo Budweis-Wunderlich auf, seit 2007 auch mit dem Trio Budweis-Wunderlich-Jach. 2003 gehörte er zu den Gründern des Berliner Tangoorchesters Sabor a Tango, 2008 rief er das Uckermärkische Folkorchester ins Leben. Seit 2017 liegt die Organisation des Tanz- und Folkfestivals Berlin mit in seinen Händen.

Seit wann spielst Du Akkordeon? Wie kam es dazu? Piano- oder Knopfakkordeon? Diatonisch, chromatisch? Was ist Dein Favorit? Und warum?
Ich habe 1990 angefangen, diatonisches Akkordeon zu lernen. Ehrlich gesagt hat mir das Akkordeon als Instrument vorher nie so richtig gefallen. Ich spielte diverse andere Instrumente, wie wir eben in der Folkmusik so unterwegs waren, begeisterte mich für Borduninstrumenten, baute mir eine Drehleier usw.
Aber Jo Meyer spielte bei JAMS so ein kleines diatonisches Akkordeon, das gefiel mir und er hat mir seins für den Anfang geborgt. Das kleine reizte mich, die Einschränkungen in den Tonarten, die so verschiedenen Spielweisen je nach Region in dieser Welt und vor allem der direkte Klang und Balggroove. Mit den chromatischen konnte ich nichts anfangen, wollte nicht mit so einer Immobilie unterwegs sein. Und doch weiß ich Ihre Möglichkeiten und Flexibilität sehr zu schätzen. Vor allem beim chromatischen Knopfakkordeon ist die Logik in der Tastaturbelegung schon beneidenswert.
Was magst Du am Akkordeon? Was womöglich weniger?
Für mich als Tanzmusiker ist das Akkordeon genial. Ich kann alleine einen ganzen Saal unterhalten, was mir allerdings nicht so viel Freude macht. Das geht mit Flöte auch, ist aber musikalisch schon etwas eingeschränkter. Mit dem Akkordeon habe ich immer drei Möglichkeiten: Ich bin ein kleines Orchester für mich, mit Melodie und Begleitung, oder ich spiele nur Begleitung, oder – dritte Möglichkeit – ich bin nur Melodieinstrument. Und für meine Arbeit als Ensemblekursleiter ist das gut, dass ich alles bedienen kann und sowohl Melodie- als auch Harmonieverständnis habe. Und beim Spielen zu reden bzw. zu singen, geht auch noch.
Das „Schifferklavier“ hat in der Öffentlichkeit ein Image-Problem. Wie gehst Du damit um?
Hat es das? In welcher Öffentlichkeit? In meiner Wahrnehmung liegt das Jahrzehnte zurück. Vielleicht beim „gebildeten“ Klassikpublikum, da gibt es manchmal eine leichte Arroganz gegenüber dem Akkordeon. Ich erlebe nur freudige Zustimmung beim Akkordeonspielen. Hab ja auch lange Bandoneon gespielt, durch den Tango in einer komplett anderen Szene, das war dasselbe. Und Schüler erzählen mir oft Geschichten, dass sie auf dem Zeltplatz oder der Familienfeier ihr Instrument rausholen, und alle sind begeistert. Egal, auf welchem Level der Spieler ist.
Welcher Akkordeonist, welche Akkordeonistin hat Dich besonders beeindruckt? Wodurch?
Da gibt es sehr viele und bei jedem sind es immer gerade die Besonderheiten, die sein/ihr Spiel ausmachen. Als erster war es natürlich Jo Meyer, der mir sein Instrument borgte. Aber er war sowieso für mich eine Art Mentor, von dem ich als zwölf Jahre Jüngerer viel lernte. Dann begeisterten mich Nobert Pignol und Stephan Milleret in Ihrem präzisem Spiel und Groove und dass sie aus dem kleinen Zweireiher so viel Jazz rausholten, wie nur drin war. Ich fuhr 1992 zu ihnen nach Grenoble, um zu lernen.
Um nur wenige andere zu erwähnen: Lothar Lässer mit seinem gefühlvollen Spiel auf dem Wiener Schrammelakkordeon ist einfach großartig. Anne Niepold mit ihrer Energie und ganzheitlichen Hingabe an die Musik, traumhaft. Johannes Uhlmann mit seinem unverwechselbaren Groove, eine Wohltat, an seiner Seite zu spielen. Der in Berlin wohnende Serbe Dejan Jovanović, hochvirtuos und trotzdem unglaublich musikalisch wie so viele Akkordeonisten in der Balkanmusik. … Es gibt so viele, die ich hier erwähnen könnte.
Gibt es eine besondere Geschichte, die Du mit Deinem Instrument erlebt hast?
Musik zu machen, ist eine ganz besondere Geschichte, die auch nicht endet. Sich mit anderen Menschen zu treffen, um gemeinsam zu musizieren, sich darüber emotional zu verbinden, voll im Hier und Jetzt sein, ganz gegenwärtig im friedlichen Miteinander, ist eines der größten Geschenke, die wir im Leben bekommen können. Ich bin dafür sehr dankbar, dass ich in dieser einen Geschichte, die sich aus so vielen kleinen speist, leben darf.
