Hörtipp: Das Rudolstadt-Festival im Radio am 14.08., 20.03–23.03 Uhr

Publikum auf dem Marktplatz beim Rudolstadt-Festival 2026

Publikum auf dem Marktplatz beim Rudolstadt-Festival 2026 (Foto: Wolfgang Leyn)

Im Rahmen des ARD Radiofestivals senden alle Kulturwellen Musik vom Festival 2026. Zu hören sind Konzertmitschnitte mit Dota (D), Idemo (A), Rian (A), Kathryn Tickell & The Darkening (GB), Antti Paalanen (FIN), Manu Delago und Thüringer Symphoniker (A, D), Duo Ruut (EST), Zgarda (UKR), Frohe Zukunft (D). Anschließend sind sie verfügbar under ARD Sounds.

Dota Kehr (D)

Sie ist unsere RUTH-Preisträgerin 2026! Das Festival ehrt die Songschreiberin Dota Kehr für ihr Mascha-Kaléko-Programm „In der fernsten der Fernen“. In der Begründung zur Vergabe des deutschen Weltmusikpreises heißt es: „Dota Kehr hat den ironisch-zärtlichen, oft aber auch melancholischen Ton von Kalékos Großstadt-Lyrik der 1920er Jahre in feine Töne gegossen, so dass die Gedichte klingen, als seien sie gerade erst in dieser Text-Musik-Form geschrieben worden. Große Kunst einer klugen Dichterin trifft auf farbige Vertonungen einer klugen Musikerin.“
Weltmusikpreis RUTH 2026 für Songschreiberin Dota Kehr

Idemo (A)

Idemo ist Burgenlandkroatisch für „Gehen wir“. Ein kurzer Ausspruch, in dem vieles mitschwingen kann, und so entfaltet dieses Quartett ein ganzes Panorama an Geschichten von Aufbruch und Abschied. Vom jiddischen Wiegenlied bis zum Pendlerblues erzählt Idemo aus „einer Grenzregion, in der es lange keine Grenzen gab“. Die Band versteht ihre Musik als Hommage an die verschiedenen Sprachen und Menschen im Burgenland, das von Aus- und Zuwanderungsbewegungen geprägt ist. Historische Lieder werden durch Jazz, Pop und Improvisation verfremdet und erweitert. Dadurch erfahren sie einen erstaunlich aktuellen Widerhall.

Rian (A)

In seiner Heimat hat RIAN seit 2022 einen überfliegerartigen Aufstieg hingelegt. Das könnte daran liegen, dass seine Musik für virale Hits taugt, aber auch mit sozialem Bewusstsein aufwartet. Vielleicht war auch der Wechsel von englischen Texten zu deutschsprachigen Songs einfach die richtige Entscheidung oder in „Verwandtschaftstreffen“ den ganz normalen Wahnsinn zu beschreiben, den fast alle schon mal erlebt haben. Auf jeden Fall trifft seine Mischung aus Indie, Hip-Hop und kabarettistischen Anleihen einen Nerv!

Kathryn Tickell & The Darkening (GB)

Wie fasst man die Bedeutung einer Musikerin zusammen, wenn jedes Detail eine eigene Geschichte verdient? Kathryn Tickell prägt den britischen Folk seit Jahrzehnten. Die Sängerin und Komponistin ist die führende Interpretin der Northumbrian smallpipes. Sie hat diese Art des Dudelsacks international sichtbar gemacht und damit auch die einzigartigen Klänge und Mythen der Region entlang des römischen Hadrianswalls. Die Melodien atmen die jahrhundertealte Geschichte der rauen Landschaft, aber nichts daran ist museal.

Ihre Band ist nach dem alten nordenglischen Wort für Zwielicht benannt und bewegt sich genau in dieser Zwischenwelt: Pipes und Fiddle treffen auf Synthesizer und moderne Beats, balladenhafte Motive auf wilde, atemlose Rhythmen. Das ist Folk als lebendige Kunst, tief verbunden mit dem historischen Königreich Northumbria und doch konsequent nach vorn gewandt.

Antti Paalanen (FIN)

Eigentlich wollte er E-Gitarre spielen und träumte davon, ein Rock’n’Roll-Star zu werden. Doch als Antti als Junge einen Musikladen im finnischen Alavus betrat, blieb sein Blick an einem Akkordeon hängen und es gab kein Zurück mehr. Weil er von den örtlichen Akkordeonkursen genauso begeistert war wie von Kiss oder AC/DC, beschreibt er sich als „Accordion Wild Child“. Während seines Studiums vertiefte er sich in nordische Traditionen und komponierte neue Musik für das diatonische Akkordeon. Auch mongolisch beeinflusste Kehlgesangstechniken eignete er sich an. Aus all dem kreiert er einen pulsierenden Sound, der klingt wie eine ganze Band. Mit diesem unorthodoxen, hypnotischen Sog aus Tanz, Trance, Tradition und Techno schaffte er es sogar ins finnische Finale für den ESC: Sein Song „Takatukka“ ist eine Hymne auf die Vokuhila-Frisur. Den Contest gewonnen hat er damit nicht, aber Tausende Herzen erobert.

Manu Delago und Thüringer Symphoniker (A, D)

An dieses Orchesterprojekt werden wir uns noch lange erinnern: Manu Delago tritt gemeinsam mit den Thüringer Symphonikern im Heinepark auf! Der Tiroler Musiker ist der wohl weltweit gefragteste Handpan-Spieler, aber auch ein renommierter Perkussionist, Schlagzeuger und Komponist. Aufsehenerregend war die Produktion seines Albums „Parasol Peak“, das er vor atemberaubender Bergkulisse eingespielt hat, teils in mehr als 3.000 Metern Höhe. Manu Delago ist unglaublich vielseitig, Grammy-nominiert und begleitete auch das Rudolstadt-Konzert von Anoushka Shankar. Er stand mit Björk und Ólafur Arnalds auf der Bühne, aber auch mit dem London Symphony Orchestra. Sein musikalisches Können verbindet er immer wieder mit seiner Liebe zur Natur und seinem Engagement für den Umweltschutz.

Duo Ruut (EST)

Ihre Stimmen und ihr vierhändiges Spiel auf einer estnischen Zither (Kannel) genügen, um einen ganzen Klangkosmos zu erschaffen. Duo Ruut verbinden warme Ambient-Klänge mit komplexen Rhythmen, junges Songwriting mit den jahrhundertealten Wurzeln des Runo-Gesangs, dessen Lieder mündlich überliefert wurden. Inspiration für ihre minimalistische Kunst holen sich die beiden Musikerinnen oft aus der Natur und zeitlosen menschlichen Geschichten. Ein hypnotischer Sound, der leuchtet und berührt.

Zgarda (UKR)

Dieses Quintett aus Kyjiw gleitet mühelos von kontemplativen Stücken zu mitreißenden, tanzbaren Nummern. Die Band hat sich der Wiederbelebung ritueller und lyrischer Lieder mit zeitgenössischen Arrangements verschrieben. Ihren Stil nennen sie selbst „Groove Folk“. Sie spielen ihn mit Bandura, Geige, Kontrabass und Percussion. Zgarda gründete sich 2018 um die Sängerin und Ethnomusikologin Yuliia Vitraniuk. Ihre kulturelle Identität signalisiert das Ensemble auch mit seinem Namen. Zgarda ist ein traditioneller Halsschmuck, ursprünglich ein vorchristliches Amulett, das die Sonne symbolisiert, aber auch die Verbindung zu den Ahnen.

Frohe Zukunft (D)

„Frohe Zukunft“ – laut ausgesprochen hebt schon der Name die Stimmung und ihre Musik macht definitiv gute Laune. Die Brassband aus Halle (Saale) spielt, wonach ihr ist. Das waren zu Beginn ihrer gemeinsamen Geschichte 2016 vor allem eigens bearbeitete Balkan-Sounds und New-Orleans-Marching-Band-Hits, nach Auflösung und Wiedergeburt feilten sie dann an ihrem Stil. Mit Neustart und Neubesetzung wurde die nun 12-köpfige Band wuchtiger und virtuoser, fügte eine Prise Punk, Polka und Psychedelic dazu, und immer mehr Eigenkompositionen füllen die Setlisten der Konzerte. Brillant bis brachial darf es sein, Hauptsache, es rumst und bringt Bewegung ins Publikum.

Die Band-Porträts sind übernommen von der Website des Rudolstadt-Festivals.

Termine weiterer Radiosendungen mit Konzertmitschnitten
Zum Nachhörangebot von MDR KULTUR
Das Rudolstadt-Festival 2026 – ein Rückblick in Wort und Bild

Zgarda aus Kiew – links die Sängerin und Musikethnologin Yulia Vitraniuk (Foto: Wolfgang Leyn)

Zgarda aus Kiew – links die Sängerin und Musikethnologin Yulia Vitraniuk (Foto: Wolfgang Leyn)