Schon bald nach der Gründung 1976 gehörte Folkländer zu den einflussreichsten Bands des deutsch-deutschen Folkrevivals der 70er und 80er, vergleichbar mit Liederjan oder Zupfgeigenhansel in der alten Bundesrepublik. Folkländer war an so gut wie allen wichtigen Innovationen der DDR-Folkszene federführend beteiligt. Dabei nutzte die Leipziger Band vorhandene Spielräume geschickt aus und bemühte sich, diese zu erweitern. Nach manchen Metamorphosen und längerer Funkstille meldete sich die Band 2021 zurück. Auf der Bühne und mit einer neuen CD. Am 14. Februar 2026 lädt sie zum Jubiläumskonzert ins UT Connewitz.
Als eine der ersten Folkbands der DDR wurde Folkländer am 13. Januar 1976 in Leipzig von Studenten gegründet. Initiator war Jürgen B. Wolff, der ebenso wie zwei weitere Mitglieder aus dem Vogtland kam. Die Verknüpfung von Folk und Vogtland gab der Gruppe den Namen.
Besetzung und Repertoire, auch der Bandname, wechselten später mehrfach. Es gab Pausen, in denen sich die Musiker anderen Projekten widmeten, bevor sie sich dann doch wieder zusammenfanden. Die Liste derer, die irgendwann zu Folkländer, Folkländers Bierfiedlern, den Bierfiedlern oder zu Sieben Leben gehörten, umfasst mehr als 30 Namen.
Erst Irish Folk, dann derbe deutsche Volkslieder
Zu Beginn spielte man, wie damals viele Bands des Revivals in beiden deutschen Staaten, Irish Folk im Stile der Dubliners, wechselte aber bald zum deutschen Volkslied, gern mit aktuellem DDR-Bezug. Wichtigste Quelle dafür war Wolfgang Steinitz‘ zweibändige Sammlung "Deutsche Volkslieder demokratischen Charakters aus sechs Jahrhunderten", erschienen 1954 bzw. 1962 in Ostberlin. Jürgen B. Wolff zur Liedauswahl der Band:
Es sind die aufsässigen, klagenden und auch derben Lieder vor allem der Straße, die es uns angetan haben.
Ab Herbst 1978 forschte Folkländer intensiv in Büchereien und Archiven nach verschütteten deutschen Volksliedern. Im Ergebnis entstanden elf Liederhefte und 1982 eine 230-seitige „Bibliographie der Literatur zum deutschen Volkslied“.
1980 erschien beim Label AMIGA eine Langspielplatte mit Aufnahmen von DDR-Folkbands. Fünf der 16 Titel stammten von Folkländer. 1982 erhielt die Band als erste aus der Szene die Möglichkeit, eine eigene LP aufzunehmen. Im Covertext schrieb Jürgen B. Wolff:
Authentisches hatten wir nicht vor […] Melodien und Texte haben wir, nicht willkürlich, aber da, wo es uns angemessen erschien, verändert. […] Was wir wollten, eine Art finden, Volkslieder aus heutiger Sicht und mit heutigem Abstand gebrauchsfähig zu machen, ihnen den Staub des ‚Es war einmal‘ wegzublasen.
Gastgeber der Szene-Treffen
Schon kurz nach der Gründung nahm Folkländer den Kontakt zu Gleichgesinnten auf. Im Sommer 1976 trat die Band gemeinsam mit Brummtopf aus Erfurt und Schottenschulle aus Berlin beim Erfurter Krämerbrückenfest auf.
Im Oktober 1976 folgten zehn Gruppen und mehrere Solisten der Einladung von Folkländer zu einer DDR-offenen Folkwerkstatt in Leipzig, musizierten und debattierten dann bei Fassbier und Karo-Zigaretten im Grafikkeller, dem Studentenklub der Hochschule für Grafik und Buchkunst. Dieses Werkstatt-Wochenende war die Geburtsstunde einer eigenständigen Folkszene.

1978 lud Folkländer zum 2. Geburtstag befreundete Bands ein. Aus diesem Treffen entwickelten sich ab 1980 die Zentralen Folkwerkstätten der DDR, die bis 1984 jedes Jahr in Leipzig stattfanden, mit Folkländer als Mitveranstalter, Jürgen B. Wolff als Spiritus Rector und Plakat-Gestalter. Diese Werkstätten waren Probierstube, Erfahrungsbörse, Familientreffen und Stimmungsbarometer der Szene.
Wichtigstes Thema der Werkstatt 1980 war der Volkstanz zum Mitmachen, nach ungarischem Vorbild mit Tanzmeister und Vortanzpaaren. Freunde von Folkländer hatten dafür die Tanzgruppe Kreuz & Square gegründet, die erste der rasch boomenden Folkstanz-Szene des Landes.
Auf Anregung von Folkländer erschien 1981 als Mitteilungsblatt für die Werkstatt-Teilnehmer erstmals das „Leipziger Folksblatt“. 1984 wurde daraus das DDR-Pendant zum westdeutschen Szenemagazin „Folk-Michel“, mit dem es 1997 zum „folker“ fusionierte. Clou der 1981er Folkwerkstatt in Leipzig war die Hektik Drive Bigband mit 27 Musikern von zwölf Bands.
Die Teilnehmer der Folkwerkstatt 1982 probten, wiederum in Großbesetzung, das Singspiel „Die Boten des Todes“ (Text: Jürgen B. Wolff und Dieter Beckert, Musik: Erik Kross), eine kritische Auseinandersetzung mit den Verhältnissen in der DDR. Die öffentliche Aufführung wurde verboten. Im Jahr darauf sangen Mitglieder mehrerer Bands während der Werkstatt Protestlieder gegen die Schließung des Malzhauses in Plauen, dessen Jugendklub der Stasi ein Dorn im Auge war.

Entscheidung für den Folktanz
Im Februar 1982 nahm Folkländer, wie auch schon 1979, am internationalen Festival des politischen Liedes in Ostberlin teil. Im Herbst 1982 beschloss die Band, künftig nur noch zum Volkstanz zu spielen und zwar mit der größeren Formation Folkländers Bierfiedler. Diese spielte 1985 gemeinsam mit JAMS aus Berlin eine LP mit Folktanz-Live-Aufnahmen ein.
Kurz darauf verließ Wolff die Gruppe, um mit Beckert als Duo Sonnenschirm „brachialromantisches“ Liedkabarett zu machen. Lead-Sänger und Band-Chef wurde Manfred Wagenbreth, der 1979 aus Berlin zu den Folkländern nach Leipzig gewechselt war.
1984 hatten Mitglieder und Freunde von zehn Leipziger Folkbands und Tanzgruppen einen Folkklub gegründet. Unter dessen Dach entstand die einzige Volkstanzschule der DDR. Jährlicher Höhepunkt für die Folktanzfans der Republik war ab 1986 das internationale Tanzhausfest in Leipzig. Organisiert wurde es vom Folkklub unter Leitung von Folkländer-Musiker Ulrich Doberenz.
Er gehörte 1990 zu den Initiatoren des Folkfestivals in Rudolstadt und war bis 2018 dessen Direktor. Folkländer-Mitgründer Peter Uhlmann leitete das Festivalbüro. Jürgen B. Wolff sorgt für das Layout des Programmheftes und ist außerdem Chef des Stadtgestalter-Teams. 1990 gründeten die drei Genannten in Leipzig das Label Lœwenzahn, spezialisiert auf Folk und Lied.
Auseinander und wieder zusammen
1991 lösten sich Folkländers Bierfiedler auf, und Wagenbreth gründete die Folkrockband Drumalane Waltz. Ab 1992 moderierte er die Sendung „Folk und Welt“ auf MDR KULTUR. Von 1994 an musizierten dann die Bierfiedler, 2004 umbenannt in Die Sieben Leben. 2008 kam es zur Auflösung der Band. Auf eine lange Pause folgte schließlich 2020 im Rahmen der Leipziger Liedernächte die Folkländer-Reunion.
Der Tod von Peter Uhlmann und die Corona-Zwangspause brachten die Band wieder zusammen. Die 2021 eingespielte CD „So viele Wege“, Vol. 1. bekam in der Kategorie Liedermacher den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. 2023 wurde die Band beim Rudolstadt-Festival mit dem Deutschen Weltmusikpreis RUTH geehrt.

Folkländer-Auftritte im Jubiläumsjahr:
Sa, 14. Februar | 20 Uhr | UT Connewitz, Leipzig, Wolfgang-Heinze-Straße 12a (Geburtstagskonzert)
Fr, 20. Februar | 20 Uhr | Plauen, Malzhaus, Alter Teich 7-9
So, 5. April | 17 Uhr | Theater am Rand, Zollbrücke 16, 16259 Oderaue
Fr, 1. Mai | 18 Uhr | Altes Kranwerk, Naunhof, Lutherstraße 10
Sa, 22. August | 20 Uhr | Deutschfolk-Festival, 07616 Bürgel, OT Beulbar 16, Am-Vieh-Theater
Sa, 17. Oktober | 20 Uhr | VIVA Kulturforum, 07937 Zeulenroda, Kreuzkirche