Seit über 30 Jahren steht sie mit eigenen Projekten auf der Bühne. Solistisch oder mit Band gastierte sie auf vier Kontinenten. Ihre Musik vereint unterschiedlichste Genres: Weltmusik, Jazz, Tango, Avantgarde. Erlernt hat sie das Akkordeonspiel an der Musikschule Berlin-Lichtenberg. Nach dem Studium an der Musikhochschule „Hanns Eisler“ spielte sie fünf Jahre lang in der Folkband JAMS. Cathrin komponierte Hörspiel- und Bühnenmusik und gastierte mit dem Berliner Ensemble in Paris und Teheran. Für Andreas Dresens Episodenfilm „Nachtgestalten“ lieferte sie den Soundtrack.

Seit wann spielst Du Akkordeon? Wie kam es dazu? Piano- oder Knopfakkordeon? Diatonisch, chromatisch? Was ist Dein Favorit? Und warum?
Ich habe mit 9 Jahren angefangen. Damals gingen Musikschullehrer durch die Oberschulen und warben. Ich hatte Lust, aber keine Idee, für welches Instrument ich mich entscheiden sollte. Also entschied der Direktor für mich. Er hat mich glücklicherweise dem besseren, fortschrittlicheren Lehrer zugewiesen. Damals wurde an den Musikschulen nur chromatisches Pianoakkordeon unterrichtet. Ich habe meine Diplomarbeit über die Unterschiede sowie Vor- und Nachteile von Piano- und Knopfakkordeon geschrieben. Das Knopfakkordeon lag da ganz klar vorn. Ich hätte dann aber nach dem Studium anfangen müssen, umzulernen. Die Geduld, Zeit und Ausdauer nach 14 Jahren Pianoakkordeon hatte ich aber nicht.
Was magst Du am Akkordeon? Was womöglich weniger?
Für mich ist es das vielfältigste Instrument. Man könnte wahrscheinlich jeder der 17 Falten eine Facette zuschreiben. Man kann quasi alles damit ausdrücken. Und das sowohl im sogenannten klassischen Bereich als auch in der Weltmusik, bei Jazz, Avantgarde etc. Ich persönlich habe über das Akkordeon die unterschiedlichsten Kulturen kennengelernt, da es sich quasi in fast alle Musikkulturen eingebracht hat. So war es für mich ein idealer Reise(ver)führer. Ich brauchte nur seinen Spuren zu folgen. Da es wie ein kleines Orchester klingen kann, ist man auch unabhängig (sofern man es will) und kann ganz gut alleine spielen.
Der einzige Wermutstropfen ist das Gewicht. Aber auch nur beim Unterwegssein. Beim Spielen vergesse ich es bzw. merke ich es gar nicht mehr.
Das „Schifferklavier“ hat in der Öffentlichkeit ein Image-Problem. Wie gehst Du damit um?
Die Menschen reagieren sehr unterschiedlich. Es ist sehr polarisierend. Die einen lieben es über alles und dann gibt es die "Ewiggestrigen“. Aber oft erlebe ich es, dass skeptische Menschen, die eigentlich nur ihre Partner ins Konzert begleitet haben, dann die größten Fans werden, da sie es vorher so noch nie gehört haben. In den letzten ca. 30 Jahren hat sich aber imagemäßig schon sehr viel getan. Sonst könnte ich vielleicht auch vom Live-Musik-Spielen nicht leben.
Welcher Akkordeonist, welche Akkordeonistin hat Dich besonders beeindruckt? Wodurch?
Alle Musiker, die etwas Eigenes hervorbringen oder auch aus ihrer Kultur „herauswachsen“ und sie weiterentwickeln und eine ganz eigene Note verpassen, beeindrucken mich. Hier nur einige Namen wie Dino Saluzzi, Raul Barbozza, Regis Gizavo, Kimmo Pohjonen. Es gäbe noch so viele andere zu erwähnen. Manchmal ist es auch nur ein Stück, was mich berührt.
Gibt eine besondere Geschichte, die Du mit Deinem Instrument erlebt hast?
Mein aktuelles und Lieblingsinstrument "Scandalli super 6" lag 40 Jahre unberührt in seinem Koffer. Das heißt aber nicht, dass es wie neu war und ich sofort loslegen konnte, damit zu spielen. Am Anfang musste ich es sehr oft vor dem Konzert aufschrauben und Stimmplatten, die sich im Soundcheck gelöst hatten, mit einem über einer Kerze erwärmten Schraubenzieher wieder in das nach 40 Jahren brüchig gewordene Bienenwachs fixieren. Mittlerweile ist es natürlich generalüberholt.
