Volksbräuche rund um den 1. Mai und das Pfingstfest

Blütenpracht und Birkengrün

„Aus allen Wiesen sprießen die Blumen rot und blau“. Schon die alten Römer feierten von Ende April bis Anfang Mai zu Ehren der Göttin Flora ein Blumenfest, die „Floralia“.

"Der Frühling zündet die Kerzen an in den grünen Kastanienkronen ..." (Foto: Wolfgang Leyn)

Im Mai blüht es überall auf Wiesen und in Gärten: Vergissmeinnicht, Gänseblümchen, Löwenzahn, Stiefmütterchen, Hahnenfuß, Klatschmohn, Maiglöckchen, Pfingstrosen, dazu Fliederbüsche, Kastanien und Kirschbäume. An den Zweigen von Tannen und Fichten zeigen sich hellgrüne Spitzen, „Maiwuchs“ genannt.

Doch nicht sie sind im Lied „Der Winter ist vergangen“ gemeint, wenn es dort heißt: „ich geh, ein‘ Mai‘ zu hauen, hindurch das grüne Gras“. Die Maie, einen grünen Birkenzweig oder ein Birkenbäumchen, stellte man der Angebeteten, seiner „Buhlen“, vor die Tür. „Schenk meiner Buhl‘n die Treue, die mir die Liebste was“.

Bauernregeln und Pfingstochsen

Noch heute werden in vielen deutschen Landschaften am 1. Mai oder zu Pfingsten Häuser, Ställe oder Brunnen mit frischen Birkenzweigen geschmückt, als Symbol des nach der Winterstarre wiedererwachten Lebens in der Natur, verbunden mit dem Wunsch nach Fruchtbarkeit auf dem Feld und im Garten. Eine alte Bauernregel besagt, dass die Witterung im Mai über die Ernte entscheidet:

„Mai kühl und nass füllt dem Bauern Scheune und Fass“.

Daher auch: „Mairegen bringt Segen“. Im Mai dürfen auch die Kühe wieder auf die Weide. Flurnamen wie Pfingstweide erinnern daran. Oder die Redewendung „geschmückt wie ein Pfingstochse“.

Tanz um den Maibaum

Tanz um den Maibaum beim FOLKUS-Festival 2022 (Foto: Wolfgang Leyn)

In vielen Regionen Deutschlands ebenso wie in Österreich, der Schweiz, in Tschechien, der Slowakei oder in Slowenien werden jedes Jahr zum 1. Mai auf Dorfplätzen Maibäume aufgestellt. Das sind von der Rinde befreite hohe Stämme, an der Spitze eine junge Birke oder Fichte, verziert mit bunten Bändern, Girlanden und Kränzen.

Das Maibaumstellen, das Maibaumwerfen, das Stehlen des Maibaums aus dem Nachbarort, das Kraxeln bis zur Spitze des Maibaums, all das gehört zu den zahlreichen Bräuchen, die bis heute gepflegt werden. Vor allem aber wird natürlich um den Maibaum getanzt.