Vom 25. bis 28. September fand im Goldbekhaus, dem Stadtteilkulturzentrum von Hamburg-Winterhude, das „nord folk festival“ statt. Es war zugleich das 5. Deutschfolk-Festival. Mehr als ein Dutzend Bands aus Norddeutschland und darüber hinaus luden zu Konzerten, Workshops und Sessions. Ein wichtiger Mitgestalter sowohl auf als auch hinter der Bühne war Björn Kaidel. Er kommt aus Süddeutschland, spielt dort in der Band Fior sowie im Duo Akleja und gibt Nyckelharpa-Kurse. Beim Festival musizierte er mit seinem Waldzither-Duo Plønk. Im Organisationsteam war er vor allem für Social Media und Werbung zuständig. Hier seine Antworten auf die Fragen von ostfolk.de, bebildert mit seinen Fotos. Vielen Dank für beides!

War das Goldbekhaus eine gute Wahl als Veranstaltungsort?
Absolut! Das Haus bietet alles, was man für ein Folk-Festival braucht. Schöne Konzertsäle, sehr gute Tanzmöglichkeiten, Seminarräume für die Workshops und so weiter. Auch die Kooperation mit dem Goldbekhaus-Team war wirklich super, an dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön!

Wart Ihr zufrieden mit der Publikumsresonanz? Und wie war die Stimmung?
Die Stimmung war wirklich klasse. Lebendig, freundschaftlich und einladend. An allen Ecken erklang Musik, dank des guten Wetters auch draußen. Bereits während des Festivals haben mich immer wieder Besucher:innen darauf angesprochen, wie schön die Stimmung und das Programm wären. Darüber bin ich sehr glücklich. Besonders schön fand ich, wie generationenübergreifend unser Festivalpublikum war – Jung und Alt musizierten und tanzten zusammen. Auch die Resonanz nach dem Festival war bisher äußerst positiv, u.a. in unserer Publikumsbefragung. Natürlich gibt es aber auch Dinge, bei denen es Verbesserungsbedarf gibt – wir sind an Feedback interessiert und bemüht, das Festival noch besser zu machen.

Welche Rolle spielten im Programm die „Lokalmatadoren“ aus Hamburg oder Schleswig-Holstein?
Ich denke, du meinst Bands wie Hepta Polka, Silja, OS Dorfmusik, Way North und das Pabameto Quartett? Sie alle haben wunderbare Musik beigesteuert. Wir haben bewusst Bands und Künstler:innen gebucht, die am Ort bekannt sind. Um das dortige Publikum anzusprechen und die lokale Szene zu fördern. Ich finde es wichtig, dass ein Festival die lokale Szene mit einbezieht. Darüber hinaus kamen unserer Künstler:innen aber aus allen Ecken Deutschlands, zwei Musiker auch aus Dänemark und Belgien.

Auf der Bühne standen auch Mitglieder des 2024 gegründeten bundesweiten Jugendfolkorchesters. Hat das womöglich zu einer Verjüngung des Publikums geführt?
Das Jugendfolkorchester (JFO) hat am Samstagabend spontan auf der offenen Tanzbühne gespielt. Als ich „JFO“ auf dem „Wer spielt wann“-Zettel der offenen Bühne sah, dachte ich, uns erwartet vielleicht eine 5-köpfige Besetzung, die zufällig auf dem Festival ist. Weit gefehlt! Es stand auf einmal das halbe Orchester auf der Bühne und hat einen wunderbaren Auftritt abgeliefert. Alex Peters aus der Festivalleitung war 2024 und 2025 Teil des JFO. Ich vermute, dass er etwas damit zu tun hatte, dass so viele Musiker:innen von dort anwesend waren. Auch auf dem Festival wurde ich positiv darauf angesprochen, dass wir überraschend viel junges Publikum hätten. Ich denke, die meisten JFO-Musiker:innen kamen nicht allein. Für mich ein Beweis, dass die Idee des JFO aufgeht! An dieser Stelle möchte ich gern darauf hinweisen, dass das JFO aktuell nach Unterstützer:innen für die Fortsetzung in 2026 sucht. Infos unter https://www.jugendfolkorchester.de/spenden

Alex Peters und Torge Nonn, der ebenfalls zur Festivalleitung gehörte, veranstalten in Hamburg seit 2024 das „Jamstival“, ein Mitmach-Folkfestival, das sich an die junge Generation wendet. Außerdem haben wir in unserer Werbung gezielt Kanäle verwendet, die junge Leute ansprechen, z. B. die sozialen Medien, die sonst in der deutschen Folk-Szene eher spärlich bespielt werden. Ich denke, all diese und weitere Faktoren trugen in Summe dazu bei, dass wir ein generationenübergreifendes Festival waren.

Außer den Konzerten wurden beim Festival Workshops angeboten – Folksingen, Tanzen, Musizieren, "Mit der Tradition Ringen", Repertoire Lernen oder Musizieren mit Kindern nach Gehör. Wie war die Beteiligung?
Sehr hoch! Teilweise zu hoch für die Seminarräume, manche der Kurse waren so voll, dass es keine Möglichkeit gab, noch in den Raum zu kommen, um dort Fotos zu machen. Hier sind wir schon am Überlegen, ob wir die Kurse im nächsten Jahr in größere Räume umplanen können.

Ist Euer Konzept für das „nord folk festival“ aufgegangen?
Ja, es war ein wunderbares Festival, die Publikumsresonanz war klasse und die Verbindung der Tanz- und Konzertszene hat sehr gut funktioniert.
Welche Erfahrungen sollten bei künftigen Deutschfolk-Festivals, wie dem 2026 in Jena, beachtet werden?
In unserem Programm hatten wir sowohl Urgesteine, lang etablierte Bands der Deutsch-Folk-Szene, als auch komplett neue Formationen. Auch regional gab es keine Einschränkung. Wir hatten sowohl lokale als auch überregionale Bands. Auch beim Kursprogramm gab es eine solche Verteilung. Ich glaube, das hat maßgeblich dazu beigetragen, dass wir Menschen aus ganz Deutschland und aus allen Altersschichten angesprochen haben. Die Deutschfolk-Szene ist sehr divers und vielfältig, dies sollte sich meiner Meinung nach auch beim Deutschfolk-Festival widerspiegeln.

Das „nord folk festival“ soll als neues neues Musik- und Begegnungsformat etabliert werden. Bleibt es in Hamburg? Und gibt es schon einen Termin?
Die zweite Ausgabe des „nord folk festivals“ wird vom 16. bis 18. Oktober 2026 wieder im Goldbekhaus in Hamburg stattfinden. Bereits ankündigen können wir zum Tanz das Hartwin Trio aus Belgien und Familie Gerstenberg. Auch das nord folk orchester wird es wieder geben. Für Konzerte haben bereits Tworna, TradTöchter und Erledanz zugesagt.

Übrigens können bereits jetzt Tickets unter https://vorverkauf.nordfolkfestival.de erworben werden. Darüber hinaus arbeiten wir eifrig am Konzept für die kommenden Jahre, es lohnt sich also, unsere Website und sozialen Medien im Blick zu behalten:
https://nordfolkfestival.de
https://facebook.com/nordfolkfestival
https://instagram.com/nordfolkfestival

Wolfgang Behnkes Fotos vom "nord folk festival" 2025 in Hamburg
Mehr über die früheren Deutschfolk-Festivals:
1. Deutschfolk-Festival 2021 in Jena (Thüringen) Festival-Rückschau auf der DeFI-Website
2. Deutschfolk-Festival 2022 in Frankfurt/Oder (Brandenburg)
3. Deutschfolk-Festival 2023 in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern)
4. Deutschfolk-Festival 2024 in Dinker (Nordrhein-Westfalen)
Das 6. Deutschfolk-Festival findet vom 21. bis 23. August 2026 in Jena statt.