Bildbericht vom 6. Deutschfolk-Festival, Jena 20.-23.08.26

VON WOLFGANG LEYN

Stilistische Vielfalt auf hohem Niveau, gutbesuchte Veranstaltungen, spürbare Musizierfreude, fast durchweg exzellenter Ton aus den Lautsprecherboxen – so lassen sich die dreieinhalb Tage in und bei Jena zusammenfassen. Organisiert wurden sie von der DeutschFolk-Initiative des Bundesverbandes PROFOLK.

Das öffentlichkeitswirksame Festival mit Konzert, Vortrag, Workshop, Session, Flash Mob, Open Stage und Instrumenten-Flohmarkt war zugleich ein Familientreffen (eines Teils) der Deutschfolkszene. Auf den Festivalbühnen standen drei Folk-Generationen. Als sich 1976 in Leipzig die Gruppe Folkländer zusammenfand, war Tim Liebert von Viertour gerade mal zehn Jahre alt. Unfolkkommen aus Dresden gibt es seit 2004, die Familienband Lottes Flausen aus Weimar seit 2014, Folk my life aus Norddeutschland erst seit 2020.

Als Festival-Prolog am Donnerstagabend diente die Deutschfolk-Session im Veranstaltungshaus KuBus im Plattenbaugebiet Lobeda im Süden von Jena, wo der dortige Folkklub monatlich zu Veranstaltungen einlädt. Zum gemeinsamen Musizieren und Singen musste niemand lange gebeten werden. Von PROFOLK vorbereitete Textblätter mit Akkordvorschlägen waren eine gute Hilfe.

Am Freitagabend wurde das Festival in der Kulturkirche Löbstedt am dörflichen Nordrand der Stadt eröffnet. Schirmherr war Jenas Kulturdezernent Johannes Schleußner (rechts). Er übernehme die Schirmherrschaft gern. Schließlich habe er schon in seinem Elternhaus Bekanntschaft mit Folkmusik gemacht. Neben ihm Festivalorganisator Tim Liebert und Vivien Zeller.

Den musikalischen Teil der Festivaleröffnung übernahm das von Vivien Zeller geleitete 14-köpfige Folkorchester Leipzig. Das trifft sich seit März 2025 einmal im Monat zum gemeinsamen Spiel ohne großen Leistungsdruck. Jeder bringt sein Instrument mit. Gemeinsames Anliegen: die Vielfalt der Folkmusik in einem entspannten und kreativen Umfeld zu erleben.

Das Abendkonzert fand draußen neben der Kirche statt. Eröffnet wurde es vom Duo Unfolkkommen aus Dresden mit säggs’schen Folksliedern, etwa über die ins Wasser gefallene Landpartie oder über die Feuerwehr von Siebenlehn, die um 1900 tapfer Brände löschte, die sie zuvor selber gelegt hatte. Ein vergnügliches Programm zum Zuhören, Mitsingen – und Tanzen…

Tanzmusik aus traditionellen deutschen Quellen und Eigenkompositionen mit schwedischen Einflüssen, frisch und energievoll gespielt, das ist die Spezialität der Band Folk My Live. Dafür gab‘s 2021 den Dieter-Wasilke Folk Förderpreis. In Jena spielte die Band in Trio-Besetzung: Lexi am Sopransaxophon, Johannes an der Nyckelharpa, Alex an der Gitarre.

Workshops bot das Festivalprogramm am Sonnabend. Zu den Themen gehörten Thüringer Tänze und sächsische Volkslieder. In der Kulturkirche erklärten Micha und Frank von Unfolkkommen, woher sie ihre Lieder haben, was sie in schriftliche Quellen fanden und was sie sich von alten Leuten vorsingen ließen und wie sie die Lieder dann bearbeitet haben.

Konzert mit Viertour beim 6. Deutschfolk-Festival (Foto: Wolfgang Leyn)Am Sonnabendabend unternahm das Festival einen Ausflug ins 15 Kilometer entfernte Beulbar zum pittoresken Am Vieh Theater. Zum Auftakt spielte dort Viertour, eine folkmusikalische Nord-Süd-Allianz – Ralf Gehler (Handharmonika, Dudelsack) aus Schwerin, Vivien Zeller (Geige) aus Berlin, Nico Schneider (Waldzither, Banjo) aus dem Thüringer Wald und Tim Liebert (Waldzither, Mundharmonika) aus dem Vogtland.

Den zweiten Teil des ausverkauften Open-Air-Konzerts gestaltete Folkländer aus Leipzig. Die Band gehörte vor 50 Jahren zu den Vorreitern des Deutschfolk-Revivals in der DDR. Nach mehrfachen Metamorphosen seit 2020 wieder unter altem Namen – und mit neuen Songs – auf der Bühne, wurde sie 2023 mit dem Deutschen Weltmusikpreis RUTH geehrt.

Am Sonntagnachmittag dann drei Konzerte an der Kulturkirche. Zu Beginn Josa aus Milda bei Jena. Der Musiker, Singer-Songwriter und Virtuose auf Blues Harp und Gitarre, sang Volkslieder und solche, die es mal werden könnten. Dazu zählt er Lieder von Theodor Kramer, Gerhard Gundermann oder Renft.

Aus Ilmenau kommen Sängerin Hanna Flock-Rosenbrück und Jo Rosenbrück an Gitarre und Geige. Sie touren als Folk-Duo Janna mit verschiedenen Konzertformaten durchs Land. In Jena präsentierten sie „Gut deutsch“ – Lieder und klassische Texte, aber auch ein selbstkomponierter Rap aus Werbesprüchen fürs Biosphären-Reservat, alles klug ausgewählt und überzeugend interpretiert.

Den Schlusspunkt unter das 6. Deutschfolk-Festival setzte Lottes Flausen. Die Familienkapelle aus Weimar glänzte mit fein arrangierten und sensibel interpretierten Instrumentalstücken und Liedern aus Deutschland und Skandinavien plus Eigenkompositionen. Besetzung: Gesa Bartuschka (Geige, Gesang), Mattea Bartuschka (Klarinette, Gesang), Anett Bartuschka (Gitarre, Bassklarinette, Gesang) und Fabia Bartuschka (Blockflöten, Gesang).

(Alle Fotos: Wolfgang Leyn)

Mehr über die früheren Deutschfolk-Festivals:

1. Deutschfolk-Festival 2021 in Jena (Thüringen) Festival-Rückschau auf der DeFI-Website
2. Deutschfolk-Festival 2022 in Frankfurt/Oder (Brandenburg)
3. Deutschfolk-Festival 2023 in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern)
4. Deutschfolk-Festival 2024 in Dinker (Nordrhein-Westfalen)

5. Deutschfolk-Festivals 2025 in Hamburg