50 Jahre Brummtopf – eine Chronik in Bildern

Die 1976 gegründete Band gehörte zu den prägenden Gruppen des DDR-Folk-Revivals. Durch Brummtopf wurde Erfurt neben Leipzig und Berlin zu einer der Szene-Hochburgen. Regelmäßig spielten Folkbands aus dem ganzen Land beim Stadtfest rund um die Krämerbrücke, ab 1978 auch bei den von Brummtopf ausgerichteten Werkstätten. Nach 1985 wurde Bordunmusik wichtiger im Repertoire. 2011 starb Bandgründer Reiner Luber.

VON WOLFGANG LEYN

1976 | Erster öffentlicher Brummtopf-Auftritt im Juni 1976 beim Krämerbrückenfest. Mit dabei auch Folkländer aus Leipzig und Skye aus Berlin. Das Stadtfest rund um Erfurts Wahrzeichen wird ein wichtiger Auftrittsort für DDR-Folkbands, mindestens bis 1991 (Foto: privat – leider wegen niedriger Auflösung sehr pixelig!).

1976 | Bei der ersten DDR-offenen Folkwerkstatt Ende Oktober im Leipziger Grafikkeller, der Geburtsstunde einer eigenständigen Szene, tritt Brummtopf mit einer achtköpfigen Besetzung auf. Vorn Bandgründer Reiner „Lubi“ Luber. (Foto: Harald Mohr)

1977 | Plakat zu Brummtopfs Auslands-Gastspiel in Kalisz, einer der ältesten Städte Polens und Partnerstadt von Erfurt. Im April 1978 nimmt Brummtopf beim internationalen Folklorefestival im ungarischen Békéscsaba teil.

1978 | Brummtopf lädt im Mai zur Folklorewerkstatt nach Erfurt. Es spielen Bands aus Berlin, Cottbus, Erfurt, Halle, Leipzig und Neuhaus. Zum Schluss gibt es eine Wanderung zur Wartburg. Das Konzert im Festsaal (hier mit Brummtopf) wird vom Rundfunk aufgezeichnet (Foto: Peter Uhlmann).

1979 | Bei der zweiten Erfurter Folklorewerkstatt im Brühler Garten spielt Brummtopf in neuer Besetzung mit Reiner Luber, Michael Roth, Angelika Scheel, Lutz Steinhäuser und Klaus Trillhaase. Mehrere Musiker hatten 1978 die Gruppe verlassen und Saitensprung gegründet (Foto: Hildegard Müller).

1979 | Natürlich gibt es auch im Brühler Garten eine Session. Die Musiker kennen einander und haben genügend gemeinsames Repertoire. Im Bild von links: Bernd Stamm (Polkatoffel), Jochen Ruppel (Saitensprung), Jürgen Wolff (Folkländer), Angelika Scheel (Brummtopf), Matthias Kießling (Wacholder), Klaus Trillhaase (Brummtopf).

1979 | Beim Nationalen Jugendfestivals zu Pfingsten in Berlin spielt Brummtopf im Liederpark vor großem Publikum, zuerst zum Zuhören, dann auch zum Mitmach-Volkstanz, der dort seine DDR-Premiere erlebte, nach dem Vorbild der ungarischen Tanzhaus-Bewegung (Foto: Thomas Neumann/neumgraf)

1980 | Zum dritten Mal lädt Brummtopf, gemeinsam mit Saitensprung befreundete Bands zum Folkfestival nach Erfurt. Klaus Trillhase ist nicht nur musikalisch eine Stütze an Gitarre, Konzertina, Banjo, Mandoline und Bandoneon. Er gestaltet auch Plakate und illustriert Liederhefte.

1980 | Das erste, gemeinsam mit Saitensprung erarbeitete Liederheft erscheint. Weitere zwei folgen. Folkbands in der Bundesrepublik verbreiten ihr Repertoire vor allem über Schallplatten. In der DDR haben wegen des staatlichen Monopols von VEB Deutsche Schallplatten nur sieben Bands diese Chance. Liederhefte dienen als Ersatz.

1982 | In Erfurt, so wie auch in Leipzig, Berlin und Halle, finden regelmäßig Volkstanz-Abende statt. Dazu spielt eine Band aus Musikern von Brummtopf und Saitensprung. Die Aufnahme entstand beim Krämerbrückenfest (Foto: Dieter Stark). 1986 startet Brummtopf eine eigene Reihe mit Volkstanz.

1985 | Ab Ende 1985 leitet Wolfgang Taeger (Dudelsäcke, Drehleier, Rohrblatt- und Balginstrumente, Gesang) die wiederum völlig neu besetzte Band Brummtopf. Im Bild (von links): Erik Fett (Brummtopf), Reiner Luber (Gitarre), Wolfgang Taeger (Akkordeon) und Burkhard André (Geige), Foto: Sammlung Wolfgang Leyn.

1985 | Zum wiederholten Mal tingelt eine Truppe von Folkmusikern und bildenden Künstlern mit Pferdewagen über die Dörfer rund um Rudolstadt. Dazu gehören Musiker von Brummtopf und Saitensprung aus Erfurt sowie Lumich aus Leipzig (Foto: Sammlung Wolfgang Tager).

1986 | Seit Wolfgang Taeger die Leitung von Brummtopf übernommen hat, spielen Bordunmusik und bretonische Tänze neben deutscher Folklore und Irish Folk eine größere Rolle im Repertoire. Musiziert wird auf rund 30 teils selbstgebauten Instrumenten, zum Beispiel Wolfgangs Eigenbau-Drehleier (Foto: Sammlung Wolfgang Taeger).

1990 | Der Auftritt von Brummtopf bei einer Ausstellungs-Vernissage im rheinland-pfälzischen Worms ist nicht die erste Westreise der Band, schon im Dezember 1989 gastierte die Band dort, unterwegs mit zwei Trabis, Kontrabass auf dem Dach und Benzin für Hin- und Rückfahrt.

1990 | In dieser Besetzung (Brummtopf-Pressefoto) spielt die Band die nächsten beiden Jahrzehnte: Reiner Luber, Dagmar Neumann, Wolfgang Taeger, Erik Fett (von links). Im Unterschied zu manch anderen ostdeutschen Folkbands haben die Erfurter auch nach der Wende genügend Auftritte.

1991 | Die Teilnehmer der ersten gesamtdeutschen Drehleier-Werkstatt in Potsdam, organisiert von der Gruppe Antiqua. Vorn links Wolfgang Taeger. 1987 und 1989 hatte es in Kleinmachnow bei Berlin ähnliche Treffen zum Erfahrungsaustausch der Instrumentenbauer aus der DDR-Folkszene gegeben (Foto: Sammlung Wolfgang Taeger).

2002 | Als Gegenstück zu Deutschlands größtem Folkfestival in Rudolstadt hebt Brummtopf an der Grundmühle im Weißbachtal bei Erfurt „Thüringens kleinstes Folkfestival“ aus der Taufe. Bis 2018 findet es jeden Sommer statt, mit bis zu 400 Besuchern. Es spielen vor allem befreundete Bands wie Landluper aus Plauen, Hofgesindt aus Weimar oder Tumblin‘ Folk aus Erfurt (Foto: Sammlung Wolfgang Taeger).

Brummtopf 2005 auf dem Rudolstädter Marktplatz im Programm "60 Jahre Tanzfest"2005 | Nach 1991 nimmt Brummtopf zum zweiten Mal an Deutschlands größtem Folkfestival teil, was eher ungewöhnlich ist. Anlass ist das Jubiläum „50 Jahre Tanzfeste in Rudolstadt“. Außer der Erfurter Band stehen u. a. die Thüringer Spielleut aus Zella-Mehlis und das Thüringer Folkloretanzensemble auf der „Gedächtnisbühne“ (Foto: Sammlung Wolfgang Taeger).

Session mit Jan Eppler und Muikseeren von Landluper aus Plauen 2008 beim Folksommer an der Grundmühle2008 | Jedes Jahr zum Folksommer an der Grundmühle erwacht die eigentlich längst aufgelöste Band Brummtopf wieder zum Leben. Vor der ersten Probe geht’s aber erstmal um Organisation, Logistik und Pressearbeit. Die Bands aus Erfurt, Weimar, Plauen oder Leipzig lieben das „Woodstock im Weißbachtal“, haben Freude an den Sessions, hier mit Jan Eppler aus Benshausen und Musikern von Landluper, Brummtopf und Saitensprung (Foto: Sammlung Wolfgang Taeger).

2011 | Brummtopfs Bandgründer Reiner Luber stirbt. Er war ein „Urgestein“ der DDR-Folkszene, ein kluger, kommunikativer, fröhlicher Mensch, der die Musik und das Leben liebte. Als unermüdlicher Organisator hatte er großen Anteil daran, dass Erfurt mit Leipzig und Berlin zu den drei Folk-Hochburgen der DDR gehörte.

2014 | Brummtopfs letzter offizieller Auftritt findet 2014 während des FolkHerbstes im Plauener Malzhaus statt, beim Sonderkonzert zum 30. Geburtstag der befreundeten Band Landluper. Danach findet sich die Band nur noch einmal im Jahr zum Folksommer an der Grundmühle zusammen (Foto: Sammlung Wolfgang Taeger).

50 Jahre Brummtopf

Folk in Thüringen - früher und heute