50 Jahre Brummtopf | 19.04.26

Die 1976 gegründete Band gehörte zu den prägenden Gruppen des DDR-Folk-Revivals. Durch Brummtopf avancierte Erfurt neben Leipzig und Berlin zu einer der Szene-Hochburgen. Regelmäßig spielten Folkbands aus der ganzen Republik beim Stadtfest rund um die Krämerbrücke, ab 1978 auch bei den von Brummtopf in Erfurt ausgerichteten Folktagen. Die Band hatte gemeinsam mit Saitensprung großen Anteil am Folktanz-Boom. Ab 1985 wurde Bordunmusik wichtiger im Repertoire. 2011 starb Bandgründer Reiner Luber.

Brummtopf in der Besetzung bis 2011 – Reiner Luber, Dagmar Neumann, Wolfgang Taeger, Erik Fett (von links)
Brummtopf-Pressefoto in der Besetzung bis 2011 – Reiner Luber, Dagmar Neumann, Wolfgang Taeger, Erik Fett (von links)

Im Februar 1976 gründeten Jochen Ruppel, Heidi Strunze, Gerd Willnauer und Angelika Scheel gemeinsam mit Reiner „Lubi“ Luber, einem Urgestein der Szene, die Band. Sie spielten mit Gitarre, Banjo, Waldzither, Mandoline, Geige und Akkordeon anfangs internationale Folklore, besonders irische Traditionals und Bob-Dylan-Songs. Später kamen mehr und mehr deutsche Volkslieder hinzu, u. a. aus dem Archiv des Weimarer Instituts für Volkmusikforschung.

Gute Kontakte nach Leipzig und Berlin

Beim ersten öffentlichen Auftritt während des Erfurter Krämerbrückenfestes im Juni 1976 musizierte Brummtopf gemeinsam mit Folkländer aus Leipzig sowie Skye aus Berlin. Dieses Altstadtfest wurde später zum wichtigen Podium für Folkbands. Im Oktober 1976 nahm Brummtopf zusammen mit neun weiteren Bands an der ersten DDR-offenen Folkwerkstadt im Leipziger Grafikkeller teil. Daraus entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit eine eigenständige Szene.

Brummtopf in großer Besetzung bei der DDR-offenen Folkwerkstatt im Oktober 1976 in Leipzig, vorn sitzend Bandgründer Reiner "Lubi" Luber (Foto: Harald Mohr)
Brummtopf bei der DDR-Folkwerkstatt im Oktober 1976 in Leipzig, 2. von inks Jochen Ruppel, 4. von links Angelika Scheel, ganz rechts Heidi Strunze, vorn sitzend Bandgründer Reiner "Lubi" Luber (Foto: Harald Mohr)

Folkloretage und Liederhefte

Reiner Luber gehörte zum Folklore-Initiativkomitee, das im Mai 1977 in Berlin eine zweite DDR-Folkwerkstatt organisierte, bevor es vom DDR-Kulturministerium zur Auslösung genötigt wurde. 1978 lud Brummtopf dann zu einer Werkstatt nach Erfurt, u. a. mit Freiluftkonzerten im Stadtpark Brühler Garten. Das Abschlusskonzert im Palas der Wartburg wurde vom DDR-Rundfunk mitgeschnitten. Folkloretage in Erfurt mit überregionaler Beteiligung fanden auch 1979 und 1980 statt.

Gemeinsam mit der 1978 gegründeten Gruppe Saitensprung – entstanden aus einer Abspaltung von Brummtopf – wurden ab 1980 drei Liederhefte erarbeitet. Man baute Musikinstrumente selbst, nicht nur den namensgebenden Brummtopf. Es gab Rundfunk-Mitschnitte und 1979 und 1980 Auftritte im DDR-Fernsehen.

Das erste der drei Liederhefte von Brummtopf und Saitensprung, erschienen 1984
Das erste der drei Liederhefte von Brummtopf und Saitensprung, erschienen 1980 in Erfurt

Folktanz und Tour über die Dörfer

Zu Pfingsten 1979 war Brummtopf eine der drei DDR-Folkbands, die in Berlin am Rande des Nationalen Jugendfestivals erstmals zum Mitmach-Volkstanz spielten, noch ehe dieser 1980 das bestimmende Thema der zentralen Folkwerkstatt in Leipzig war. Ab 1982 fanden dann auch in Erfurt regelmäßig Volkstanzabende statt, zur Musik einer Band aus Brummtopf- und Saitensprung-Musikern. Mitglieder beider Bands beteiligten sich 1984 und 1985 gemeinsam mit Folkmusikern aus Leipzig an den Folkloretouren mit Pferdefuhrwerken über die Dörfer rund um Rudolstadt.

Bordunmusik und selbstgebaute Instrumente

Ab Ende 1985 leitete Wolfgang Taeger (Dudelsäcke, Drehleier, Rohrblatt- und Balginstrumente, Gesang) die Band. Bordunmusik spielte von da an eine größere Rolle im Repertoire. Musiziert wurde auf rund 30 zum Teil selbstgebauten Instrumenten. 1986 organisierte Brummtopf in Erfurt eigene Volkstanzabende. Gespielt wurden u. a. bretonische Tänze oder englische, wie sie die Oysterband 1986 beim Tanzhausfest in Leipzig vorgestellt hatte. Zur neuen Besetzung gehörten ab 1987 Dagmar Neumann (Gitarre, Flöte, Trommeln, Gesang), Erik Fett (Zupf-, Rohrblatt- und Rhythmusinstrumente, Gitarre, Gesang), Burkhard André (Geige) sowie Reiner Luber (Kontrabass, Zupf- und Streichinstrumente, Gesang).

Wolfgang Taeger mit selbstbebauter Drehleier, wohl 1986 (Foto: Sammlung Wolfgang Taeger)
Wolfgang Taeger mit selbstgebauter Drehleier, um 1986 (Foto: Sammlung Wolfgang Taeger)

Thüringens kleinstes Folkfestival

Im Dezember 1989 gastierte die Band in Worms und damit erstmals in der Bundesrepublik. Im Juli 1991 nahm Brummtopf in Rudolstadt am neugegründeten Tanz&FolkFest teil, dem heutigen Rudolstadt-Festival. Als Gegenstück zu diesem bundesweit größten Folkfestival hob Brummtopf im Sommer 2002 an der 1794 erbauten Grundmühle im idyllischen Weißbachtal bei Erfurt „Thüringens kleinstes Folkfestival“ aus der Taufe. Maximal 400 Besucher fanden an der Mühle Platz.

Brummtopf 2007 an der Grundmühle – von links: Reiner Luber, Dagmar Neumann, Wolfgang Taeger, Erik Fett (Foto: Sammlung Wolfgang Taeger)
Brummtopf 2007 an der Grundmühle – von links: Reiner Luber, Dagmar Neumann, Wolfgang Taeger, Erik Fett (Foto: Sammlung Wolfgang Taeger)

Zu den Stammgästen, die dort bis 2018 auf der Bühne standen, gehörten befreundete Bands wie Landluper aus Plauen, Hofgesindt aus Weimar oder Tumblin‘ Folk aus Erfurt. 2011 starb Bandgründer Reiner Luber. Brummtopfs letzter offizieller Auftritt fand 2014 im Plauener Malzhaus statt, beim Konzert zum 30. Geburtstag von Landluper.

Letzter offizieller Brummtopf-Auftritt im Herbst 2014 im Plauener Malzhaus – Dagmar Neumann, Wolfgang Taeger, Erik Fett, dazwischen Matthias "Match" Walther von Landluper (Foto: Sammlung Wolfgang Taeger)
Brummtopf im Herbst 2014 im Plauener Malzhaus – Dagmar Neumann, Wolfgang Taeger, Erik Fett, dazwischen Matthias Walther von Landluper (Foto: Sammlung Wolfgang Taeger)

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