VON WOLFGANG LEYN
Seit drei Jahrzehnten verbindet die Leipziger Band traditionelle Musik erfolgreich mit Einflüssen aus verschiedenen Kulturen und musikalischen Stilrichtungen. Seit dem 1996 erschienenen Debütalbum „Acoustic Power“ entwickeln die vier Musiker ihren eigenen Sound zwischen Folk, World Music und Ethno-Groove kontinuierlich weiter. Eine überzeugende Band der zweiten Generation Ostfolk und des deutschen Folk-Revivals insgesamt. 2007 war ULMAN Bundessieger beim Weltmusikwettbewerb „Creole“. Wegen diverser anderer Projekte der Bandmitglieder sind gemeinsame Konzerte leider selten.

Nach mehreren Jahren mit anderen Projekten stehen die vier nun wieder gemeinsam auf der Bühne. Im ausverkauften Jubiläumskonzert präsentierten sie eine Auswahl aus drei Jahrzehnten Bandgeschichte – von frühen Stücken bis zu neueren Kompositionen. Tolle Arrangements, virtuose Instrumentenbeherrschung und ansteckende Musizierfreude ließen den Funken zum Publikum schnell überspringen.
ULMAN spielte in der aktuellen Besetzung Till Uhlmann – Drehleier, Geige; Johannes Uhlmann – Diatonisches Akkordeon; Andreas Uhlmann – Posaune, Flöten; Richard Seifahrt – Schlagzeug. Als Gastmusiker wirkte im Jubiläumskonzert Matthias "Erich" Weyrich mit. Video-Grüße kamen von Hoven Droven (Schweden) und Blowzabella (England).

Musizieren von Kindheit an
Die Brüder Johannes und Andreas und ihr Cousin Till hatten im wahrsten Sinne des Wortes eine musikalische Kinderstube. Ihre Väter Peter bzw. Matthias Uhlmann spielten 1976 bzw. 1977 bei Folkländer und ab 1983 gemeinsam in der Tanz & Spring Band, die Mütter engagierten sich in der ab 1980 boomenden Volkstanzszene und im Folkklub Leipzig. Der war seinerzeit mit 100 Musikern, Tänzern und Freunden der mitgliederstärkste und aktivste der DDR.

Erste Station der musikalischen Laufbahn der Uhlmann-Brüder war Mitte der 80er Jahre die Haus- & Hofkapelle, ein Familienunternehmen, in dem Johannes am Akkordeon und Andreas an der Posaune die jugendlichen Frontmänner waren. Regelmäßig spielten sie mit Matthias (Melodeon) und Till (Geige und Drehleier) für die Tänzer von Leipzig Morris, zum Beispiel beim jährlichen „Lämmermarkt“ in der Denkmalschmiede Höfgen-Kaditzsch.

Preis beim Festival in Rudolstadt
Beim ersten Tanz & Folkfest in Rudolstadt 1991 musizierten Johannes und Andreas mit Akkordeon und Posaune während der nächtlichen Session im Hof der Ludwigsburg als jüngste der internationalen Runde.

1994, nur drei Jahr später, wurden die Brüder während des Festivals mit dem Folkförderpreis ausgezeichnet, verbunden mit einem Auftritt beim darauffolgenden Festival und der Produktion einer Promo-CD.In der Jury-Begründung für die Preisvergabe heißt es:
Johannes und Andreas Uhlmann […] werden von vielen als Protagonisten einer neuen Generation von deutschen Folk-Musikern gesehen, denen traditionelles musikalisches Repertoire und folkloristisches Instrumentarium Ausgangsmaterial sind für eine eigene Musik, die mit lustvoller Selbstverständlichkeit heimische und ‚fremde‘ Überlieferung […] vermischt.

Als Quartett erfolgreich auf internationaler Bühne
Nach einer Europa-Tour komplettierten 1994 Till Uhlmann (Drehleier, Violine) und der Percussionist Uli Stornowski die Gruppe, die sich nun U.L.M.A.N. nannte. Auf der 1996 erschienenen Debüt-CD „Acoustic Power“ wirkte als Gast Matthias Weyrich mit, mit dem die drei Uhlmanns bereits 1993 in der Tanzband Tyskarna musiziert hatten.

ULMAN gastierte bei Festivals in England, Frankreich, Schweden, Finnland und Portugal auf. Wegen des Hochschulstudiums zweier Bandmitglieder und der Beteiligung an anderen musikalischen Projekten trat die Band seltener auf. 2000 gastierten Johannes und Andreas als Teil des Folk-Jazz-Projektes red five beim Internationalen Jazzfestival im chinesischen Nanjing.

2005 bis 2008 wirkte ULMAN bei den Altenburger Prinzenraub-Festspielen mit. 2006 erschien die zweite ULMAN-CD „Vibes“, auf der auch mit elektronischen Verfremdungen und Samples gearbeitet wurde.
Nach wie vor wird nicht gesungen, aber die vier sind so hervorragende Instrumentalisten und haben so herausragendes musikalisches Material, dass beim Publikum keinerlei Sehnsucht nach Text aufkommt.
Rezension der CD „Vibes“ von Christian Rath (Folker 3/2007)
Sieger im bundesweiten Weltmusik-Wettbewerb
2007 gewann ULMAN bei Creole, dem bundesweiten Wettbewerb für Weltmusik, nach dem mitteldeutschen Vorentscheid auch das Finale. Ende 2007 verabschiedete sich die Band von Uli Stornowski, statt seiner kam der Jazz-Schlagzeuger Demian Kappenstein.
Die dritte CD „Electrokustica“ (2009) entwickelte den Stil der vorigen CD weiter, wobei nun auch mit dreistimmigem Gesang experimentiert wurde.

Sie scratchen auf der Drehleier, erzeugen Trip-Hop-Beats mit dem diatonischen Akkordeon, rocken mit der Posaune und kitzeln verwirrend flirrende Rhythmik aus dem breiten Percussion-Set. Und so oszilliert das akustische Geschehen locker von Mittelalterklängen zum Clubsound, vom Jazz zum Rock, vom exotischen Ethno zu eingängigem Pop. Als Produzenten konnten Ulman den Weltmusikpionier Marlon Sibusiso Klein (Dissidenten) gewinnen.
Aus dem Pressetext
Ein Höhepunkt in der Bandgeschichte war 2009 das Gastspiel in Tel Aviv, gemeinsam mit dem renommierten israelischen Folk-Trio Habanot Nechama, als Gegenbesuch zur ersten Kollaboration beim binationalen Musikprojekt "ILanD" in Leipzig und Berlin 2008.
Gefragt in der Szene
Die Musiker von ULMAN sind vielbeschäftigt in der Folk-, Jazz- und Weltmusikszene. Johannes spielte u.a. bei Bierfiedler, Die Sieben Leben, Tempi Passati, im Duo Wagenbreth-Uhlmann, heute tut er es im Duo Sveriges Vänner und im deutsch-belgischen Akkordeon-Duo Diaton. Andreas gehörte wie Johannes zur Leipziger Folk Session Band, bläst Posaune in der Spielvereinigung Süd, der Top Dog Brass Band. Seit 2017 musiziert er mit Matthias Ehrig im Duo Mehr Als Wir. Bei Till Uhlmann wären die Folk Session Band, Sieben Leben sowie Cäsar & die Spieler zu nennen. Seit 2013 prägt er mit seinem Drehleierspiel den Sound von Bube Dame König.
Also steht zu befürchten, dass auch künftig die Konzerte der Band ULMAN einigermaßen rar sein werden…
