25 Jahre Nobody knows – Glückwunsch! | 26.01.26

Nobody knows, vorn Mitte: Max Heckel (Pressefoto)
Nobody knows, vorn Mitte: Max Heckel (Pressefoto)

Der Name mit dem selbstironischen Understatement „die unbedeutendste Band der Welt“ täuscht. In der Altmark ist Nobody knows Kult, Karten für die Weihnachtskonzerte der Tangermünder Band sind schon im April ausverkauft. Ihr Cocktail aus Fun-Folk, Polka, Lyrik-Vertonungen und eigenen Liedern macht sie unverwechselbar. Frontmann Max Heckel organisiert außerdem Festivals, betreibt Label und Verlag „Prosodia“ sowie das Web-Magazin „FolkNews“.

Am 24. und 25. Januar feierte die Band in Arneburg bei Tangermünde ihren 25. Geburtstag. Mit zwei Konzerten in ihrer Hausbühne, dem 2024 eingeweihten Kultursaal, einem von Max Heckel initiierten Anbau an den historischen Gasthof „Goldener Anker“ ganz in der Nähe des Elbe-Radwegs.

Kennengelernt haben sich die Gründungsmitglieder im Orchester der Musikschule Salzwedel, in dem Max Heckel Geigespielen lernte. Irgendwann entdeckte man den Spaß am gemeinsamen Stegreif-Musizieren. Ein paar irische Fiddle-Stücke machten den Anfang. Spontaneität ist bis heute Markenzeichen der Band. Stammbesucher wissen: Es ist passiert nie das Gleiche wie beim letzten Mal.

1.900 Auftritte liegen mittlerweile hinter Nobody Knows, auf Festivals und Stadtfesten, draußen oder drin, in Klubs, im Theater, beim Sachsen-Anhalt-Tag in Stendal, beim Maschseefest in Hannover, beim Laternenfest in Halle, meist aber in der heimatlichen Altmark, wo die Band gut vernetzt ist. Anlass kann ein Schuljubiläum sein, ein Weinfest oder auch ein Open-Air-Gottesdienst mit Gospelchor.

Faszinierende Bandbreite

So vielfältig wie die Auftrittsorte, so unterschiedlich sind die dargebotenen Programme. Irish Folk gehört dazu, ebenso wie Kinderlieder, Struwwelpeter-Lieder, altmärkische Lieder und Geschichten oder „Pädagogische Lieder – Weisheiten ohne Erziehungsabsicht“, nicht zu vergessen Winter- und Weihnachtslieder. Mal steht die ganze Band auf der Bühne, mal sind noch weitere Musiker dabei, mal ist Bandchef Max Heckel solo zu erleben.

Nobody knows produzierte bisher sechzehn Alben und etliche Singles, seit 2014 im eigenen Label „Prosodia“. Anfangs spielte man Irish Folk. Wie viele andere Bands in Deutschland hätte man dabei bleiben und landauf landab durch die Pubs tingeln können. Doch wenn Max Heckel eines hasst, dann ist es Routine, den schlimmsten Feind der Kreativität.

Unser künstlerisches Selbstverständnis nenne ich „konzeptionelle Konzeptionslosigkeit“. Oder „postmoderne bundesrepublikanische Folklore mit nordwesteuropäischer Note und ostokzidentaler Rhythmik“. Beides steht für eines: Keine Selbstkasteiung durch ein statisches Selbstverständnis. Denn auf der Bühne gilt wie überall, dass Dynamik zur Erfüllung führt.

Max Heckel (deutschfolkinitiative.de, 2023)

Intellektuelle Brillanz und Fun-Folk

Ab 2007 machen sich in der Musik der Band zunehmend Einflüsse von deutscher Folklore, Country-Musik, Polka, Ska und Weltmusik bemerkbar. Dazu kommen eigene Lieder sowie Lyrik-Vertonungen. Ohne falschen Respekt eignet sich Nobody knows die Texte von Dichtern wie Goethe, Heine, Wilhelm Busch oder Kurt Tucholsky an und hüllt sie in ein bandtypisches musikalisches Kleid.

2014 entstand gemeinsam mit dem Schauspieler Bernd Marquardt das Kurt-Tucholsky-Programm „Drei Minuten Gehör“ und dazu das gleichnamige Album. Das stand dann mehr als ein halbes Jahr auf der „Liederbestenliste“ und sorgte für mediale Aufmerksamkeit in der deutschsprachigen Liedermacherszene.

Ebenfalls 2014 gab es für die CD „Kleinstadt-Rhapsodien“ beim Deutschen Rock- und Pop-Preis Platz eins in der Kategorie „Beste Folk-Country-Band“ und dazu den Publikumspreis. 2016 wurden sie dann als „Beste Folkrockband“ ausgezeichnet.

Ihre Vorstellungen von Folk halten sich an keinerlei Regeln. Was im einen Moment von intellektueller Brillanz geleitet wird, donnert im nächsten schon volltrunken in die Gosse. Ja, so macht Folk durch und durch Spaß.

Peter Sailer, Chefredakteur „Zillo Medieval“ (2014)

Kleinstadt-Charme, Kleinstadt-Mief

Dass Bodenständigkeit und Heimatverbundenheit durchaus nicht provinziell daherkommen müssen, bewies Nobody knows u. a. mit dem Video „Nummer zwei – Eine Hommage an die zweitliebenswerteste Kleinstadt Deutschlands“. 2015 war Tangermünde in einer Umfrage dazu gekürt worden. Das augenzwinkernde Loblied kam an, und Max Heckel durfte die Musik zum Image-Film der Stadt schreiben.

Das Album „Urbane Camouflage“ von 2016 ist inhaltlich eine Gratwanderung zwischen Unterhaltung und Kritik, Spaß und Ernst. Es geht um (klein)städtische Rollen und Klischees, politisch korrekte Sprache, um Ernährungsgewohnheiten und alltägliche Fremdenfeindlichkeit. Das Video des „Bürgerliedes“ beginnt mit einem Schopenhauer-Zitat: „Wir sind nicht nur für das verantwortlich, was wir tun, sondern auch für das, was wir widerspruchslos hinnehmen.“

Großaufgebot und Zwangspause

2019 kurz vor dem 20. Band-Geburtstag erschien das Album mit dem bis dahin größten Aufgebot an Mitwirkenden. Im September 2018 wurde es gemeinsam mit dem Sinn-Phonie-Orchester der Musikschule Stendal und dem Chor des „Theaters der Altmark“ live eingespielt, zwei musikalischen Schwergewichten der Region.

Die Zwangspause während der Pandemie überbrückte die Band durch youtube-Corona-Sessions mit Tucholsky-Texten und sendete außerdem unter dem Titel „Nobody-Knows-TV“ Persiflagen auf Fernseh-Quiz-Sendungen und Koch-Shows.

Wünsche für Weiteres

Im August 2025 lud die Band zum dritten „BurgFolkFestival“ nach Arneburg. Hinweis an die Besucher des Open-Air-Festivals: „Das Mitbringen von Sitzmöbeln ist gestattet und wird – wenn nicht allzu sperrig – gern gesehen. Das Mitbringen von Decken zum Vollzug einer Sitzhandlung ist ebenfalls stets willkommen“. Dem Festival ist auch für 2026 die Gunst von Petrus zu wünschen, der Band und ihrem umtriebigen Frontmann Max Heckel, dass sie gemeinsam noch vieles auf die Bühne bringen, von dem man mit Alina Noack (FolkNews, 2020) schwärmen kann:

Ein Werk voll Können, Quatsch und Leidenschaft.

Max Heckel (Pressefoto)

Max Heckel – nur im Doppelpack sind die vielen Solo- und Band-Projekte zu schaffen.

Youtube-Kanal von Nobody knows
Homepage von Nobody knows
Max Heckels Homepage
FolkNews