Lied-Empfehlung „Die Reise nach Jütland“ | 25.02.24

Das Lied entstand während des deutsch-dänischen Krieges von 1849. Zwei Verliebte müssen wohl für immer Abschied nehmen, denn der junge Mann wurde an die Front kommandiert. Das historische Soldatenabschiedslied ist leider heute, 175 Jahr später, immer noch hochaktuell.

Denkmal für Gefallenen des 1. und 2. Weltkrieges in Kunitz am Rande von Jena (Foto: Wolfgang Leyn)

VON WOLFGANG LEYN

Soll denn gar kein Frieden werden, nimmt der Krieg denn noch kein End?

Zwei Jahre nach dem russischen Überfall auf die Ukraine kommt mir dieser Stoßseufzer des deutschen Dichters Peter Uz von 1762 in den Sinn. Zehntausende tote Soldaten auf beiden Seiten. Mehr als 10.000 Zivilisten wurden getötet, Frauen, Kinder, alte Menschen. Neun Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer sind auf der Flucht. Die Kriegsschäden summieren sich auf die astronomische Summe von 500 Milliarden Dollar.

Soll denn gar kein Frieden werden? Im Gaza-Streifen, im Libanon, in Syrien, Jemen, Somalia, Sudan, in Äthiopien, Mali, in der DR Kongo, in Myanmar? So verschieden die Ursachen und Umstände all dieser Kriege sind, in einem gleichen sie sich: Die Jugend und mit ihr die Zukunft der Völker wird geopfert. „Saatfrüchte dürfen nicht vermahlen werden“, schrieb Käthe Kollwitz 1915 in ihr Tagebuch, kurz nach dem Tod ihres Sohnes im 1. Weltkrieg. Denselben Titel wählte sie 1941 für ihre letzte Lithographie. Im Herbst 1942 starb ihr Enkel als Wehrmachtssoldat an der Ostfront.

Meine Lied-Empfehlung zum zweiten Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine ist „Die Reise nach Jütland“, wunderbar schlicht interpretiert vom Duo Erledanz auf der CD "Uhlensang" (2023).

NOTEN

TEXT

Die Reise nach Jütland,
die fällt mir so schwer.
Nun ade, du schönes Mädchen,
wir sehn uns nicht mehr.

Des Sonntags früh morgens
kam der Hauptmann und sprach:
„Guten Morgen Kameraden!
Heut segeln wir ab.“

Ei warum denn nicht morgen?
Warum denn grad heut?
Denn es ist ja heute Sonntag
für alle jungen Leut.

Der Hauptmann sprach leise:
„Ich habe keine Schuld.
Der Oberst, der uns führet,
hat keine Geduld!“

Das Schifflein tat segeln,
denn der Wind der war gut.
Da schwenkte mein Heinrich
noch einmal den Hut.

Das Schwenken des Hutes,
das tat mir so weh.
Wer weiß, ob wir im Leben
uns je wiedersehn.

Das Mädchen am Strande
ging auf und ging ab,
denn es musste nun verlassen
seinen einzigen Schatz.

Duo Erledanz: Henrike und Klaus Eckhardt (Foto: Erledanz)
Duo Erledanz: Henrike und Klaus Eckhardt (Foto: Erledanz)

HÖRBEISPIELE

Duo Erledanz (2023)
http://deutschfolk.de/audio-dateien/03%20Die%20Reise%20nach%20Juetland.mp3

Hannes Wader (1990)
https://www.youtube.com/watch?v=9uYJ7D9bUEU

Drones & Bellows · Dragseth Duo · Manuel Knortz (2004)
https://www.youtube.com/watch?v=4gQZkq4WJf4

Jochen Wiegandt, Lars-Luis Linek (2015)
https://www.youtube.com/watch?v=OvFEXlxB3R0

Eberhard Malitius (Lieder, die meine Mutter gesungen hat, 2020)
https://www.youtube.com/watch?v=bG16gZ96-3w

LIEDGESCHICHTE

In verschiedenen Text-Varianten war das Soldatenabschiedslied seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in ganz Deutschland verbreitet. Womöglich reichen seine Ursprünge jedoch bis ins 18. Jahrhundert zurück. 1775 kämpften im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg auch 30.000 junge Deutsche, die vom Landgrafen von Hessen und anderen Fürsten an England verkauft worden waren. Der Liedtitel „Die Reise nach Jütland“ bezieht sich auf den deutsch-dänischen Krieg von 1849. Damals ging es um die Frage, ob das Herzogtum Schleswig zu Dänemark oder zu einem noch zu gründenden deutschen Staat gehören sollte. 1864 kam es in Jütland erneut zum Krieg. Preußen und Österreich siegten über Dänemark und teilten sich die Herrschaft über die beiden Herzogtümer Schleswig und Holstein. 1866, nach Preußens Sieg über Österreich, wurde ganz Schleswig-Holstein zur preußischen Provinz. 1871 mussten dann deutsche Soldaten gegen den „Erbfeind“ Frankreich ins Feld ziehen. 1914-18 starben auf beiden Seiten mindestens neun Millionen Soldaten, nicht mitgezählt sind die Vermissten, Verwundeten, Traumatisierten. „Der Krieg bekommt mir wie eine Badekur“, meinte seinerzeit Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg.

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